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Autor Thema:  Schwerer Kreuzer "Prinz Eugen", 1:350, Trumpeter  (Gelesen 28176 mal)

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Graf Spee

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Schwerer Kreuzer "Prinz Eugen", 1:350, Trumpeter
« am: 12. September 2009, 16:56:01 »
Schwerer Kreuzer PRINZ EUGEN  
 


Modell:  Schwerer Kreuzer Prinz Eugen
Hersteller:  Trumpeter
Maßstab:   1:350
Art. Nr. :   05313
Preis ca. :  60,00€







Beschreibung:  

Geschichte:
Der schwere Kreuzer Prinz Eugen, benannt nach dem österreichischen Feldherrn Prinz Eugen von Savoyen,
lief am 22.08.1938 als drittes Schiff des in der Kriegsmarine neuen Typs der sog. „Washington“-Kreuzer,
bei der Kieler Krupp Germania-Werft vom Stapel.
Bei Abmessungen von 212,5m x 21,8m x 7,2m (LxBxT) und einer Verdrängung von max. 18.700ts konnte das Schiff bis zu 32 Kn laufen.
Die Bewaffnung bestand aus 8 x 20,3cm L/60 (SA), 12 10,5cm L/65 (S-Flak) sowie einer bis zum Schluss
immer weiter erhöhten Anzahl an 20mm und 40mm Flak (L-Flak).
Das Schiff, welches die Traditionspflege der K.u.K. Marine fortführte, in welcher es
zuletzt ein Schlachtschiff dieses Namens gab, erwarb sich im Verlauf des Krieges den Ruf eines
glücklichen Schiffes, da es die verschiedensten Einsätze meist unbeschadet überstand.
Nach Kriegsende ging der Prinz Eugen, als schwerste überlebende Einheit der Kriegsmarine, in
die Hände der USA über und wurde 1946 bei den Atombombentests der Operation Crossroads beschädigt
und sank im selben Jahr  im Kwajalein-Atoll.
Die Backbordschraube des Prinz Eugen befindet sich heute im Hof des Marine Ehrenmals Laboe.

Das Modell:
Der vorliegende, mehrere hundert Teile umfassende, Bausatz stellt den Kreuzer im letzten
Rüstzustand während des Kriegsjahres 1945 dar. Dementsprechend befindet sich eine große
Anzahl an Flak im Bausatz um die korrekte Bewaffnung wiedergeben zu können.
Der Bausatz besteht, inkl. des beiliegenden Schnellbootes S100, der 2 Ar196 sowie Rumpfteilen,
aus 20 Spritzlingen in sehr guter Qualität. Bei der vorliegenden Ausfertigung konnte ich keinerlei
Unsauberkeiten, Gussgrate oder störende Auswerfermarken feststellen.
Dem Bausatz liegen ebenfalls 3 PE-Platinen (2x Reling, 1x Leitern, etc.) bei.
Die Anleitung ist übersichtlich, verständlich und gut gegliedert.
Gleiches gilt für den beiliegenden Bogen mit den Bemalungshinweisen. Einziges Manko ist hierbei,
dass der angegeben Anstrich nicht korrekt ist. Allerdings lässt sich dies mit Recherche im Internet ausgleichen.

Hier einmal ein paar Beispiel-Spritzlinge:


Sowie die PE-Platinen:


Zum Abschluß noch einmal die beiden Anleitungen und der Decalbogen:


Fazit:  

Der fein detailierte Bausatz ermöglicht es, auch ohne den Zukauf weiterer Zurüstteile, dem erfahrenen
Modellbauer ein ansprechendes Modell eines der schönsten Schiffe des 2. Weltkrieges zu bauen.
Das Preis/Leistungs-Verhältnis ist ebenfalls stimmig.
Meines Erachtens nach kann ich diesen Bausatz nur empfehlen.

+ feine Detaillierung
+ PE-Teile liegen bei
+ beiliegender Bausatz eines S100
+ gute Passgenauigkeit

- nur 2 der 3 Bordflugzeuge
- falsches Tarnschema in der Bemalungsanleitung

« Letzte Änderung: 13. August 2017, 17:28:11 von Graf Spee »
Handle nur nach derjenigen Maxime,
durch die zugleich wollen kannst,
das sie ein allgemeines Gesetz werde.



neffets71

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Re: Schwerer Kreuzer "Prinz Eugen", 1:350, Trumpeter
« Antwort #1 am: 12. September 2009, 17:03:01 »
Sieht doch gar nicht schlecht aus.
Danke für die schnelle Vorstellung  :P :P :P.
Gibt es für die Fumomatratzen auch PE Teile?
Kannst Du bitte noch ein Foto von den Rumpfhälften und dem Deck mit einstellen.

Gruß
Steffen

Graf Spee

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Re: Schwerer Kreuzer "Prinz Eugen", 1:350, Trumpeter
« Antwort #2 am: 12. September 2009, 17:18:40 »
Die FuMo´s sind alle als Plastikteile beiliegend.
Die abgebildeten PE-Teile sind alles was an PE´s beiliegt.
Und hier dann noch die Bilder der Rumpfteile.
Einmal zur Veranschaulichung:


Sowie provisorisch zusammengesetzt:


Und einmal der Gesamte, gut 60cm lange, Rumpf mit dem mittleren Decksteil.


Der Rest in noch eingepackt. Ich kenn mich. Ich verbasel sonst nachher noch was wichtiges :D

 :winken:
« Letzte Änderung: 13. August 2017, 17:30:23 von Graf Spee »
Handle nur nach derjenigen Maxime,
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fdrake123

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Re: Schwerer Kreuzer "Prinz Eugen", 1:350, Trumpeter
« Antwort #3 am: 12. September 2009, 20:58:33 »
Hallo Graf Spee,
danke für die schnelle gute Vorstellung.
Das ist wirklich ein super Bausatz, selbst ich als eher unsauberer Bastler hab die Eugen ohne Kleinteile und Farbe recht gut zusammen bekommen.
Jetzt müsste ich nur noch wissen, was man für den Bauzustand im Mai 1941 ändern oder weglassen muss...

Gruß

Graf Spee

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Re: Schwerer Kreuzer "Prinz Eugen", 1:350, Trumpeter
« Antwort #4 am: 12. September 2009, 21:06:25 »
Da würden sich zur Recherché folgenden Seiten anbieten:

admiral-hipper-class.de
oder
prinzeugen.com

 :winken:
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fdrake123

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Re: Schwerer Kreuzer "Prinz Eugen", 1:350, Trumpeter
« Antwort #5 am: 12. September 2009, 21:22:38 »
Vielen Dank, damit hätte ich dann, nach einer kleinen Bestellung bei Abteilung X, alle unmittelbar Beteiligten an dem Gefecht in der Dänemarkstrasse beieinander.

Gruß
Frank
« Letzte Änderung: 12. September 2009, 21:53:31 von fdrake123 »

Graf Spee

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Re: Schwerer Kreuzer "Prinz Eugen", 1:350, Trumpeter
« Antwort #6 am: 12. September 2009, 22:28:56 »
Diorama in 1:350, mit umgerechneter Originalentfernung? :D
 :winken:
Handle nur nach derjenigen Maxime,
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Erdinger

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Re: Schwerer Kreuzer "Prinz Eugen", 1:350, Trumpeter
« Antwort #7 am: 13. September 2009, 11:27:42 »
Danke für die Bausatzvorstellung! Bin schon gespannt welche Erfahrungen du beim Bau machst.  :)
Grüße!
Thomas 
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Graf Spee

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Re: Schwerer Kreuzer "Prinz Eugen", 1:350, Trumpeter
« Antwort #8 am: 13. September 2009, 13:50:06 »
Na ja, da muss dann erstmal die Emden fertig sein.
Und dann kommen noch ein/zwei kleinere Sachen, bevor ich mich dann an dem
Prinz Eugen versuche. Zumal ich noch auf den PE-Satz von WEM und die Rohre von
BMK warte. Denn wenn, dann will ich auch die der S-Flak ersetzten.
Dauert also noch ´nen Stückchen. :1:
 :winken:
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Gerhard Scharnhorst

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Re: Schwerer Kreuzer "Prinz Eugen", 1:350, Trumpeter
« Antwort #9 am: 14. September 2009, 09:48:33 »
Wieso ist das "Tarnschema" (besser gesagt: die Farbgebung) "falsch"? Abgesehen vom zu kräftigen Druck (wie bei den wenig hochwertigen, eher bonbonfarbenen chinesischen Darstellungen regelmäßig zu beanstanden) sehe ich kein grundsätzliches Problem. MfG Gerhard

Graf Spee

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Re: Schwerer Kreuzer "Prinz Eugen", 1:350, Trumpeter
« Antwort #10 am: 14. September 2009, 19:46:12 »
@Gerhard Scharnhorst:
Wenn ich den Druck mit den Fotos und Darstellungen aus den obigen Links,
sowie meinen Büchern vergleiche fällt mir auf, dass der Prinz von oben nach unten
in immer dunkler werden Grautönen gepönt war.
Von  einem recht hellen Grau der Aufbauten über ein etwas dunkleres Grau des ersten
Decks und ein noch stärker abgedunkeltes Grau bis hin zu einem eher Anthrazitfarbenen Wasserpass.
Also insgesamt eher 4 Grautöne als der eine der Bemalungsanleitung.
Auf der Seite des ersten Links lässt sich das gut an der schematischen Darstellung
des Prinzen nachvollziehen.
 :winken:
Handle nur nach derjenigen Maxime,
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Gerhard Scharnhorst

  • Gast
Re: Schwerer Kreuzer "Prinz Eugen", 1:350, Trumpeter
« Antwort #11 am: 14. September 2009, 20:46:12 »
Bei allem Respekt vor der für eine Internet-Publikation überdurchschnittlich brauchbaren Seite von Asmussen und der Arbeit von Leon entspricht das nicht der Quellenlage.

Die USN hat bei der Übernahme und auch folgend umfangreiches, großformatiges Fotomaterial erstellt, das das letzte Aussehen der PE dokumentiert und über die NA beziehbar ist. Bei professioneller Auswertung ergibt sich, daß einzelne Aufbautenteile auf einigen Fotos heller wirken, was jedoch ausschließlich auf Beleuchtungsartefakte rückführbar ist. Das wird schon daraus sichtbar, daß es bei Verwertung des gesamten Materials immer andere Aufbautenteile sind, die auf einem einzelnen Foto scheinbar heller herauskommen als der Rest der Aufbauten oder die Rumpfseitenwand.

Über die Physik der Helligkeitsinterpretation auf s/w-Fotos habe ich im Zusammenhang mit der USN anderweitig vor vielen Jahren mal was geschrieben, im Einzelnen führt das hier zu weit. Neben der Reflectance spielen Chroma und Gloss eine Rolle, und natürlich auch der "Untergrund", lichteinfallswinkelabhängig scheinbare Helligkeitsdifferenzen der gleichen Farbe auf einem photografischen Abzug zu erzeugen.

Ein Teil der relevanten Fotos ist in sehr guter Qualität in der wohl besten Monografie zur PE, dem bekannten Heft von Wiper (2002) abgedruckt. Wiper selbst hat zwar die Asmussenschen Recherchen abgeschrieben (S.55, wobei seine Unsicherheit in der Formulierung erkennbar ist.) Aber die Bildunterschriften reflektieren bei Warship Pictorial bekanntlich nie Eigenrecherche und sind daher - gerade bei Themen außerhalb der USN - mit Vorsicht zu genießen.

Daß es sich nur um ein Lichtspiel handelt, belegen auch die zahlreichen Fotos des Kreuzers von 1945 im aktuellen Standardwerk zu den deutschen Dickschiffen von Caresse (Band II, 2009, S.294-301). Noch brauchbar, aber schon weniger gut sind die Wiedergaben bei Perepeczko (Hipper-Klasse Band 3, EOW Vol. 35, 2004). Die drucktechnisch minderwertigen und insgesamt veralteten deutschen Quellen à la Breyer, Koop etc. pp. sind ohne jeden Aussagewert, wie auch die zahlreichen qualitativ nicht ausreichenden Digitalkopien im Internet.

Nochmal zurück zur Physik. Der geringe Chroma-Wert der verwendeten Farben macht sie besonders anfällig für scheinbare Helligkeitsdifferenzen unter anderen Beleuchtungswinkeln. Man sieht das gut an den Detailfotos, wo jede anders orientierte Baustruktur sofort wieder eine erheblich andere Fotohelligkeit zur Folge hat. Demnach müßte man nicht vier, sondern 20 oder mehr Grautöne benutzen.

Vor dem Bau eines durchaus anspruchsvollen Modells wie der PE von Trumpeter (trotz der bekannten Schwächen dieses Herstellers) halte ich eine ernstzunehmende Recherche mit Fachliteratur und Originaldokumenten für unverzichtbar. Ein wenig herumsurfen im Web tut es da eher nicht :-(

Notfalls gibt es weiteres Originalmaterial im Archiv von Prof. Peter Tamm, aber hinsichtlich des Anstrichs der PE 1945 halte ich das Ergebnis schon jetzt für relativ klar. Natürlich kann jeder Modellbauer seine Interpretation wählen, und auch die Umsetzung bestimmter bekannter Fotos mit entsprechenden Effekten ist durchaus eine vertretbare und sicher gut aussehende Lösung. Damit imitiert man auch den Farbwert, der sich aufgrund des erheblichen Moduls (Verhältnis Flächen- und Längenverkleinerung) bei Schiffsmodellen nur durch Farbwahl nicht sauber umsetzen läßt. Nur sollte man vorsichtig sein, bevor man seine verständliche persönliche Vorliebe als Grund sieht, einem Hersteller "Fehler" vorzuwerfen. Trotz aller Defizite - ein wenig verstehen selbst die Chinesen ihr Handwerk denn doch.

In diesem Sinne - gute Modelle verdienen entsprechend fundierte Kommentare!

Freundliche Bastlergrüße, Gerhard

Lynx

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Re: Schwerer Kreuzer "Prinz Eugen", 1:350, Trumpeter
« Antwort #12 am: 14. September 2009, 21:01:59 »
Hallo Graf Spee,

erstmal Danke für die schnelle Bausatzvorstellung des Prinzen und  :P :P für Deinen derzeitigen Baubericht.
Wenn ich mit meiner Viper fertig bin, werde ich auch wieder "in See stechen" und bei meiner 1:200 Bismarck weitermachen.

Das Bemalungs/Tarnschema der Prinz Eugen mit mehreren horizontalen Grauabstufungen habe ich noch nicht gesehen. Letzte Kriegsmonate und Versuchsanstrich? Oder sieht das möglicherweise nur aufgrund von Licht- und Schattenspielen auf Fotos so aus  ?(
Hab auch nochmal kurz im Bernhard und Graefe "Anstriche und Tarnanstriche der deutschen Kriegsmarine" nachgeschaut und nichts gefunden.  :2:

Normalerweise waren die Einheiten ja ab Aufbauten aufwärts mit Hellgrau 50, der Rumpf mit Dunkelgrau 51 gestrichen + die diversen Tarnanstriche.
Hast Du da noch andere Quellen zu dem "4-fach Grauanstrich"?

Noch was zum Bausatz der Prinz Eugen. Hab ich das richtig gesehen und die Bullaugen sind schon offen und müßen nicht mehr aufgebohrt werden?  :9:

Oh, ich sehe gerade, da hat schon jemand geantwortet... etwas umfangreicher als ich  ;)

 :winken:
Viele Grüße
Hermann

Graf Spee

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Re: Schwerer Kreuzer "Prinz Eugen", 1:350, Trumpeter
« Antwort #13 am: 14. September 2009, 21:30:00 »
(...)
 - gute Modelle verdienen entsprechend fundierte Kommentare!
(...)

Da ich der Meinung war mich auf meine Quellen verlassen zu können (Weyers, JFS, Terzibaschitsch und co),
denke ich, das bei aller Berechtigten Kritik Deinerseits, der letze Kommentar zumindest überflüssig war.
Vor einer Modellbesprechung erfolgt stets eine Recherche meinerseits. :1:
Allerdings bin auch ich da vor Fehlern nicht gefeit. :2:
Es wäre nett wenn Du ein paar Deiner Quellen mal einstellen würdest, damit wir anderen dann auch etwas
davon haben. Denn ich zumindest würde sie auf jeden Fall nutzen. :1:

 :winken:
Handle nur nach derjenigen Maxime,
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Gerhard Scharnhorst

  • Gast
Re: Schwerer Kreuzer "Prinz Eugen", 1:350, Trumpeter
« Antwort #14 am: 14. September 2009, 23:11:33 »
Der Weyer ist eine zeitgenössische Quelle und für heutige technische Recherchen schon wegen der Vereinfachungen und der im Zeitpunkt des Drucks unzureichenden Informationen nicht mehr brauchbar. Erst neuere Nachkriegsausgaben sind partiell zitierfähig. Für historische Recherchen zum zeitgenössischen Wissenstand in Deutschland ist er auch für die Epoche bis 45 nützlich, und trotz aller zwangsläufigen Mängel sind die Skizzen von Gröner wegen seines enormen zeichnerischen Talentes nach wie vor ein Genuß. Der Mann konnte einfach ein Schiff mit einfachen Mitteln treffend portraitieren, mögen auch nicht alle Einzelheiten stimmen. Schade, daß ich ihn nicht mehr persönlich kennenlernen durfte. Na klar, der komplette Weyer steht bei mir auch im Handapparat in Griffweite.

Jane's hängt etwas von Zeitpunkt und Herausgeber ab und muß ebenso im historischen Kontext gesehen werden. Wenn ich mir die bei mir stehenden Jahrgänge ab 1906 vergleichend ansehe, fällt mir immer wieder auf, wie unendlich viele wertvolle Informationen enthalten sind und wie viel andererseits manchmal fehlt oder vereinfacht wurde. Trotzdem - den Jane's zu einer typischerweise dort behandelten Frage wenigstens mit zu überfliegen, gehört für mich zum Pflichtprogramm. Nur zum Tarnschema der PE bringt das natürlich nichts.

Populäre Bücher wie diejenigen von Stefan (Terzi) sind nützliche Überblicke und auch hilfreich zum Gesamtverständnis, aber aufgrund der Ungenauigkeiten im Detail für Modellbauer in der Regel nicht wirklich nutzbar. Terzi hat mir gelegentlich immer mal wieder sein "Erschrecken" gegenüber den "Anforderungen" der Modellbauer zum Ausdruck gebracht und immer gewußt, daß bei seinem Ziel umfassender Überblicke über eine ungeheur große Zahl von Schiffen die notwendige "Tiefe" unerreichbar ist. Das gilt auch für die Skizzen, Schack sowieso, aber selbst Eb. Kaiser hat regelmäßig genügend "Macken" eingebaut. Ich sehe das durchaus wohlwollend (sonst müßte ich mich als Mitarbeiter von einer Reihe von Terzis Büchern selbst "köpfen"), aber man sollte es schon richtig einordnen. Man lernt ja auch selbst dazu, und vor 30 Jahren habe ich auch noch, sagen wir mal, suboptimale Sachen geschrieben, die ich heute nur dadurch nachvollziehen kann, daß ich mir die damalige viel schlechtere Quellenlage wieder bewußt mache.

Auch gute Bücher wollen kritisch gelesen werden. Ich habe mal vor ewig langer Zeit bei Terzi zu einem US-Kreuzer gutgläubig ein paar Infos abgeschrieben und darauf eine kritische Rezension publiziert und bin dafür von einem bekannten Modellbauer, der - wie der Hersteller - weit bessere (unveröffentlichte) Quellen hatte, ziemlich "verprügelt" worden, weil meine Meckerei halt völlig falsch war. Nun ja, so lernt man wertvolle "Mitstreiter" kennen und ist später selbst ein bißchen weniger dumm. Terzi hat nur seufzend gemeint, daß wir es in der nächsten Auflage korrigieren, was wir dann auch getan haben.

Meine Quellen zur KM, mit der ich mich eher so nebenher befasse, sind nichts Besonderes - der Standard halt, den man bei den bekannten Fachbuchhandlungen über die Jahre gekauft hat (ich weiß nicht, ob man hier im Forum Namen nennen darf, ich möchte auch nicht einseitig Werbung für meine fünf, sechs deutschen Lieferanten machen, da gibt es sicher mehr, die dann "Schleichwerbung" rufen könnten). Autoren und Titel kann ich zu bestimmten Fragen natürlich gern nennen (hab ich ja auch schon gemacht), eine gesamte Liste wäre ein wenig lang ;-) Ich bin eben schon recht lange ein Jäger und Sammler von allem, was über moderne Kriegsschiffe (so ab 1900) gedruckt wird, und von den komischen Schachteln, in denen Bauteile rappeln ... Kopien der Fundstellen einstellen kann ich natürlich nicht - dafür gibt es ein Urheberrechtsgesetz, und selbst mit Fotos ist das wegen der Lichtbildnerrechte bis in die Zeit des 2. Weltkrieges zurück immer noch vielfach unzulässig. Nicht, daß der Forenbetreiber mich hier schon nach drei Beiträgen wegen haftungsrelevanter Rechtsverstöße rauswirft :-(

Zum "überflüssigen" Kommentar darf ich noch mal was Abschließendes sagen:

Mich erschreckt, und zugegeben, mich ärgert auch schon die Leichtfertigkeit, mit der in Foren manchmal die professionelle Arbeit z.B. von Bausatzkonstrukteuren so mal zack-zack mit einem Schlagwort abgestempelt wird. "Falsch", "Minuspunkt", undsoweiter ... Ich habe lange genug selbst bei einigen sehr bekannten Modellherstellern mitgewirkt (wirklich nur etwas "mitgemacht", nicht mehr), um Respekt davor zu bekommen, wie viel an echt guter Arbeit in solchen Bausätzen steckt, wie viel man falsch machen kann und wie unmöglich es ist, "perfekt" zu sein. Vor etwa 25 Jahren hat es mal ein namhafter Kollege in einer Fachzeitschrift leicht emotional auf den Punkt gebracht: "Besser machen kanns eh keiner von denen, die immer gleich drauflos schimpfen, wenn sie irgend eine falsche Niete entdeckt haben." Schöner kann ich es auch nicht sagen.

He, wenn mir als branchenbekanntem Anti-Trumpeter-Stilisten mal jemand gesagt hätte, daß ich ausgerechnet die Chinesen in Schutz nehmen würde ...

Na klar ist Kritik erlaubt, erwünscht, und notwendig, um die hoffentlich gute Vorlage des Herstellers noch besser zu machen. Meine Rezension der Trumpeter-PE (noch unveröffentlicht) ist auch an manchen Stellen durchaus kritisch. Und es gibt sicher Modelle, gerade von Trumpeter, die fordern Widerspruch geradezu heraus. Ich erinnere an den im wahrsten Sinne des Wortes "ätzenden" Kommentar zur Ätzteilfrage der Trumpeter-Richelieu aus dem Munde von Jacques Druel (den ich hier sicher nicht vorstellen muß, und auch seine Bemerkung nicht). Das Modell ist eben ziemlich mißglückt. Trotzdem ist so ein wenig Vorsicht im Umgang mit dem, wo durchaus nicht unfähige Zeitgenossen lange und mühsam dran gearbeitet haben, manchmal angesagt.

Um es klarzustellen: Ich werde von keinem Hersteller bezahlt, für mich ist das hier alles Hobby, und "Mittun" war immer "Spaß an der Freud". So verstehe ich es auch weiterhin.

In diesem Sinne
Gerhard