Maginot Linie "Fort Casso", Reisebericht 2015

Begonnen von Panther, 23. März 2015, 10:52:27

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Panther



Mes amis, un beau matin bonne,

ich hoffe sehr das ich euch mit meinen Berichten hier nicht langweile – ich habe heute ein Kleinod meiner Wohnregion besucht und möchte euch einfach mal zeigen was man in Frankreich an vielen Stellen, unterirdisch angeleg, besichtigen kann.

Über die Maginot-Linie muss man wohl nicht viel schreiben, dem interessierten sei ein Blick in die Wikipedia empfohlen ( http://de.wikipedia.org/wiki/Maginot-Linie#SF ).

Im Zuge des Ausbau´s der Linie wurde in vierjähriger Bauzeit das kleinere Infanteriewerk bei Rohrbach Les Bitche erbaut, es musste nach Einsparungen im Etat ( gab es wohl schon immer ) statt geplanter 10 Kampfblöcke mit Artillerie, mit drei Kampfblöcken, ausgelegt als reines Infanteriewerk, auskommen.

Das bedeutete dass hier keine schwere Rohrwaffen verbaut wurden, es gab lediglich schwere Maschinengewehre, einige PAK-Kanonen und Granatwerfer.

Die Deckung mittels schwerer Artillerie übernahm das Artilleriewerk ,,Simserhof" ( http://de.wikipedia.org/wiki/Ouvrage_Simserhof ) bei Bitche.

In Rohrbach war das 166. Festungs-Infanterie-Regiment mit insgesamt ca. 170 Mann stationiert. Das Werk ergab sich nach der Kapitulation Frankreichs wie die meisten Werke der Linie unbesiegt den Deutschen.

Im Aussenbereich kann man einige sehr interessante Exponate besichtigen:









Kampfblock 3











Panzerkuppel GMF-Cloche ( cloche guetteur et fusil-mitrailleur ):





Panzerkuppel AM-Cloche ( Arme Mixte ), hier wurde eine Pak/MG-Kombinationswaffe eingesetzt. Die Beschusschäden stammen von Deutscher PAK:



Gepanzerter MG Turm



Schützengraben vor dem Fort





Wie es innerhalb eines solchen Bollwerks ausschaut sehen wir umgehend im weiteren Verlauf des Berichtes....

Panther

Weiter geht es bei unserer Tour unter die Erde Frankreichs - dem Ort an dem die Freiheit der Grande Nation so tapfer verteidigt wurde und letzlich trotzdem kein Sieg errungen wurde:

Der Eingangsbereich, geschützt durch MG in der Flanke. Die Metallbrücke wurde im Ernstfall nach unten geklappt, der Grabenbereich war einerseits Hindernis, andererseits als Schuttgraben im Falle von Bombadierungen vorgesehen. Schwere Stahltüren sicherten den Zugang zum Fort, auch auch im Innenbereich konnte hier, änhlich wie in U-Booten jede Sektion seperat geschlossen und verriegelt werden:





Die Sicherung des Eingangsbereichs:



Unmittelbar hinter dem Bereich die ersten Filteranlagen für die Frischluftzufuhr:



In einer Tiefe zwischen 25 - 30 Meter unter der Erde erstreckt sich ein weitverzweigtes Netz aus Gängen, Räumen, Lagern und Unterkünften





Küche





Kraftwerk



In Friedenszeiten wurden die Werke von ausserhalb elektrisch gespeist, im Kriegsfall bzw. bei einer Belagerung übernahmen die beiden U-Boot-Motoren die Stromversorgung. Dazu wurden 20.000 Liter Diesel vorgehalten:



Krankenzimmer, eine größere Krankenstation bzw. Operationsräume sind hier nicht vorhanden



Unteroffiziersräume



Mannschaftsunterkunft ( mehrfach in verschiedenen Größen vorhanden )



Zimmer des Festungskommandanten



Die Offiziere von Fort Casso, aufgenommen im Juni 1940



Die Bewaffnung ( alle Bilder aus Kampfblock 1 )

Maschinengewehre, Typ Reibel - bei den Doppel-MG feuerte immer ein MG nach dem anderen, so konnte jeweils ohne Feuerunterbrechung nachgeladen werden und die MG konnten abkühlen:





Blick aus der Schießscharte bei zurück geklapptem MG. An dieser Stelle konnte über eine in der Decke eingelassene Laufkatze eine PAK-Kanone in die Scharte eingebaut werden, je nachdem welcher Bedrohung man ausgesetzt war:





Versenkbarer Panzerturm, 360° drehbar

Blick auf den mittleren Bereich, Standort des Blockkommandanten



Blick in den Kampfbereich mit einer eingebauten Kombinationswaffe und einem Doppel-MG



Die Kampfblöcke als auch die Werke untereinander waren jeweils so angelegt das man sich gegenseitig schützen und in die Kämpfe eingreifen konnte.

Ein Blick durch die Zieloptik des Blockkommandanten zeigt Block 3




Mit der Besichtigung und der Einweisung endete die 3 1/2 stündige Tour durch das Werk und als Zeichen der heutigen Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich kurbelte je ein Deutscher sowie ein Franzosen den fast 90 Tonnen schweren Turm zurück in die Ruhestellung:




Fazit: Ich hab schon viele Werke der Maginot Linie besichtigt, dieses war bis dato das kleinste. Allerdings dauerte noch nie eine Führung satte 3,5 Stunden, das Betreten der Türme ist normalerweise strikt untersagt, hier wurde man eingeladen vieles anzufassen und zu probieren.

Also wer in der Nähe der Deutsch-Französischen Grenze ist sollte unbedingt mal einen Blick in eine der zahlreichen Festungen werfen. Diese finden sich überall und und ein großer Teil sind für die Besichtigung frei gegeben. Allerdings immer und ausschließlich mit Führungen, alleine würde man sich schlicht verlaufen und den Weg nach draussen wohl nur mit großer Mühe finden.

Hier noch ein Link für Seite des Vereins welcher das Fort unterhält und die Führungen anbietet: http://www.fortcasso-maginot.com

mike 104

#2
Hi David,

schöne Bilder. Jetzt weiß ich was da im Sommer auf mich zu kommt. Fort Casso fehlt mir nämlich noch.
Ich kenne es leider nur von außen.
Für Dich ist es jedoch mit Sicherheit kein Problem noch ca. 15 km weiter zu fahren. Kennst Du die Festung
" Simser Hof " bei Bitche ? Da lohnt sich auf jedem Fall auch ein Besuch.
Allerdings genügend Zeit mitbringen. Die Tour dauert ca. 3 Stunden.

Beginnend mit einem Film über die Entstehung und den Bau der Maginot Linie, dann die Besichtigung der
Festung und abschliessend noch eine Rundfahrt auf einer internen Bahn durch das ehemalige Munitionsmagazin.
Dort sind in den Lagerkammern unzählige Exponate und auch Dioramen im Maßstab 1:1 aufgebaut.
In der Energiezentrale stehen noch alte Sulzer Schiffsdiesel, die zum Antrieb der Generatoren eingesetzt waren.
Diese laufen noch. Aber vorsicht, sie sind sehr laut. Im Speisesaal hat einer der dort stationierten Soldaten die
Wände mit Disney Märchenfiguren bemalt. Das war ein richtiger Künstler.

Im Infocenter gibt es jede Menge Souveniers, Bücher und auch einen recht ordentliche Cappucchino oder ein
Gläschen Rouge zum Abschluss.

Für jeden, der noch nicht in einer solchen Anlage war: Jacke mitnehmen (auch im Hochsommer ), denn unter der
Erde ist es immer etwa gleich "schattig", um es mal harmlos auszudrücken.  

Am besten rechtzeitig anmelden. Madame Klein spricht hervorragend deutsch und die Führung ist durch ihre Art
wirklich sehr informativ und kurzweilig. Merci Madame.

Gruß

Michael
Bei Modellen muss der Gesamteindruck stimmen und nicht nur die Anzahl der Nieten.

Jeder Mensch ist ein Künstler  (Zitat: Joseph Beuys)

Panther

Servus Michael,

besichtigt habe ich bis dato:

Simserhof, 2x
Festung Schöneburg, 1x
Fort Fermont, 2x
Four a Chaux, 2x

und jetzt eben mal dieses kleinere Werk. Hat mir persönlich noch nen Tick besser gefallen als die großen Werke da es 1 aufgrund einer kleineren Gruppe sehr gemütlich, fast familiär war, und ich das Gefühl hatte das unser Guide da auch relaxter war.

In der Hauptsaison ist da sicherlich viel mehr los, an den größeren Werken sowieso, am Wochenende würde ich da grundsätzlich gar nicht hinfahren.

Was man grundsätzlich sagen muss ist das die Franzosen Deutsche höchst willkommen heißen und die Guides recht gut Deutsch sprechen.
Allerdings sollte man sich vorab informieren ob und wann Deutsche Führungen statt finden, bei Fermont bin ich mal dummerweise in ne franz. Gruppe reingerutscht. OK, hat man mal eines gesehen braucht es für die anderen keine Erklärungen, aber trotzdem ist es schön wenn man was versteht.

Gestern waren wir auch als die zwei einzigsten aus Allemagne, und wir wurden quasi adoptiert. Wehe unser Guide vergaß mal etwas auf Deutsch zu erklären, er wurde sofort mit einem zackigen " et sur l'allemand" drauf aufmerksam gemacht das wir auf seine Erläuterungen warten.

maxim

Vielen Dank für den Bericht.

Das wäre was, was man auf dem Weg nach Zeiskam nächstes Jahr mal anschauen könnte.
Im Bau: Fregatte Hr. Ms. Piet Hein (1/700, Starling Models)


Bellof

Danke für den Bericht Panther...

Ich war als kleiner Stöpsel in den 90ern mit meinem Opa im Simserhof...damals hatte noch ein darin gedienter die Führung gemacht...knapp 4 Stunden lang...dann Anfang der 2000er war es dann eine "Rundfahrt" von ca. 45 Minuten und ich war dermaßen enttäuscht.

Was auch ein richtig gut gemachtes Fort sein soll ist das "Ouvrage Hackenberg" bei Thionville...steht im Sommer auf dem Plan.

Aber in unserer Grenzregion wird man ja förmlich mit Bunkern und Anlagen zugeworfen...auch wenn's beim Westwall ab und an ein wenig schwieriger ist  ;)

:winken:
Dominik