Frage nach der Haltbarkeit von 3D-Druckteilen . . .

Begonnen von obsidian, 14. Dezember 2024, 14:22:49

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obsidian

Liebe Gemeinde !

Neulich kam eine Diskussion mit einem Modellbau-Kollegen auf, worin es um die physische Haltbarkeit des Resin aus 3D-Druckern ging. Hatte dann mal etwas im Netz recherchiert und bin tatsächlich auf Aussagen gestoßen, wonach es nicht unwahrscheinlich sein kann, daß 3D-gedruckte Teile in gar nicht mal allzulanger Zeit buchstäblich zerbröseln können. Das soll dann wohl mit dem "verdruckten" Material in Zusammenhang stehen, als auch mit einer falschen UV-Aushärte-Zeit. Auch gibt es wohl Modelle, deren Teile beim Auspacken noch "weich" waren oder sich - noch im Karton - bereits verzogen hatten.

Nun hatte ich mir bislang noch kein Modell im 3D-Druck gekauft, wohl aber Zurüstteile (Blast-Models, Eduard etc.).

Jetzt beschleichen mich da doch ernste Zweifel, ob ich diese Teile wirklich verbauen sollte - um dann nach einer gewissen Zeit evtl. nur noch Brösel davon vorzufinden.

Der 3D-Druck ist ja noch eine ziemliche junge Technik und Langzeiterfahrungen können darob wohl noch nicht ausreichend vorliegen, aber vielleicht gibt es chemisch Bewanderte unter Euch, die dazu etwas sagen können.

Für Antworten dankt wie immer sehr herzlich und wünscht einen schönen 3. Advent morgen,

Andreas alias obsidian   
Erst wenn man anfängt, gegen den Strom zu schwimmen, merkt man, wieviel Dreck einem entgegenkommt ! (Uwe Steimle)

Hans

Ach ja ja, die Gruselberichte. Sowas gilt auch für "Resin" (PU-Harz) und natürlich auch für Polystyrol. Kann man googeln, wird auch berichtet und das kommt ja auch tatsächlich vor.

Zu den Monofilament-Drucken kann ich nix sagen, ich bin mit dem Material nicht vertraut und es gibt auch viel zu viele Varianten (Nylon, PE, PET etc..)

Was die lichthärtenden Harze anbelangt: Wenns noch klebrig ist, mit Benzin oder Spiritus abwaschen, ggf ins Licht stellen. Die Teile danach gut lackieren, sie sollten unbedingt vor UV-Licht geschützt bleiben, sie können bröselig werden. Meine "Museumsdrucke" werden allerdings aus neuem Material gedruckt, dass nicht mehr UV-empfindlich bleibt.

Ceterum censeo: Die Lackierung ist wichtiger

Sparky

Ich habe bisher nur Teile von AFV modeller, Resin2detail und Zavod (Shapeways). Auf die UV-Empfindlichkeit wird hingewiesen. Ich bewahre diese Teile aber auch in Schachteln verpackt, also im Dunklen auf. Veränderungen sind bisher nicht aufgetreten und nach dem Einbau wird mit Farbe ,,versiegelt".

 :winken:
Sparky


"People sleep peaceably in their beds at night only because rough men stand ready to do violence on their behalf." -- George Orwell

Adler

Irgendwo habe ich gelesen, dass beim Druck im inneren Resin- Rückstände zurückbleiben, die nicht ausgehärtet werden können. Das fl. Resin frist sich im laufe der Zeit durch die außengehärtete Wand.
Ein Zeitfaktor wurde nicht genannt und unsere Teile sind ja nicht so dick.

Gruß

Wolfgang :winken:
Man lernt mehr von seinen Fehlschlägen, als von seinen Erfolgen.

Koffeinfliege

Gerade mal geguckt, meine ersten 3D-Drucke habe ich 5.2018 gemacht und nach einem Blick in die Vitrine: Sehen noch super aus. ;)

obsidian

Wie hieß es doch damals so "schön" bei Verona F. : "Hier werden Sie geholfen !"

Von daher ganz herzlichen Dank für die Einlassungen der Herren Koffeinfliege, Adler, Sparky und Großmeister Hans !

Eigentlich dürfte dann auch nichts passieren, wenn man die Teile im Kasten aufbewahrt (wo eigentlich sonst ?) und dann ordentlich farblich "einnebelt".

Ganz konkret geht es bei mir um die Ketten für den "Schneider CA" von Hobby Boss : https://www.scalemates.com/de/kits/hobbyboss-83862-schneider-ca-armored--943063

Der hat natürlich Ketten "on board", aber diese Dinger zusammenzupfriemeln ist ein Thema für etliche Tage und macht natürlich keinen Spaß. Abhilfe verspricht hier "Blast Models" : https://www.blast-models.eu/en/world-war-i/1557-bl35449k-wwi-schneider-workable-tracks-3d.html

Diese Ketten sind maßstabsgerechter und ganz einfach nur zusammenzukleben. Ausgehärtet müßten sie sein, sie sind nicht weich und letztlich auch sehr dünn. Auf Grund Eurer Aussagen werde ich es dann wohl mal wagen und sie verarbeiten. Das Modell steht natürlich dann auch weitab der Sonne . . .

Auch kann ich es mir nicht so richtig vorstellen, daß Firmen wie Eduard und auch Lukgraph aus Polen : https://lukgraph.pl Teile bzw. kostspielige und äußerst komplexe Modelle auf den Markt bringen, die sich dann nach vielleicht 2 selbst pulverisieren und damit ins Ausgangsmaterial zurückentwickeln . . .

Nochmals besten Dank, einen schönen 3. Advent morgen und dann natürlich später einen "reichen" Weihnachtsmann  :D

Herzlich, Andreas
Erst wenn man anfängt, gegen den Strom zu schwimmen, merkt man, wieviel Dreck einem entgegenkommt ! (Uwe Steimle)

StiftRoyal

@Adler

"Im inneren noch flüssig" klingt nach einem typischen Fehler beim SLM-Druck manch einer nutzt die Slicer Funktion "aushöhlen". D.H. das nur eine gewisse Wandstärke gedruckt wird. Problem ist nur, dass dort dann eben Resin verbleibt, dass nicht aushärtet! Dieses hat dann auch Ewigkeiten nach dem Druck Einfluss auf das Bauteil. Farbe kann sich lösen, Bereiche können klebrig werden etc.. Also ganz einfach, die Funktion nicht nutzen und keine Hohlräume erzeugen. 

Jensel1964

@Stift Royal: oder Löcher im hohlen Druckkörper vorsehen (es gibt z.B. eine entsprechende Funktion bei Chitubox), damit man das Teil auch von innen mit Isopropanol waschen kann.  :6:
Das klappt ganz famos.
Bei einem Vollkörper gibt es kein ,,innen" das flüssig bleibt. Der Drucker härtet das Objekt ja beim Drucken Schicht für Schicht aus.
Viele Grüße und fröhliches Drucken, Jens

Der Nordhorner

Zitat von: StiftRoyal in 14. Dezember 2024, 19:45:08@Adler

"Im inneren noch flüssig" klingt nach einem typischen Fehler beim SLM-Druck manch einer nutzt die Slicer Funktion "aushöhlen". D.H. das nur eine gewisse Wandstärke gedruckt wird. Problem ist nur, dass dort dann eben Resin verbleibt, dass nicht aushärtet! Dieses hat dann auch Ewigkeiten nach dem Druck Einfluss auf das Bauteil. Farbe kann sich lösen, Bereiche können klebrig werden etc.. Also ganz einfach, die Funktion nicht nutzen und keine Hohlräume erzeugen. 

So einfach ist es aber doch nicht.

Eine Sache die mir ein Freund gedruckt hatte,  hatte das Problem. 4 Stück,  ich dachte er hätte massiv gedruckt....aber beim durchbohren kam die Suppe raus. Da stellte sich dann raus das er hohl drucken wollte,  aber eben das Ablaufloch vergessen hatte. Somit voll erklärbar.

Aber:
Einer meiner eigenen Drucke ist mir nach Jahren gerissen und die Brühe lief raus.

Ich weiß bis heute nicht was passiert ist. Das Teil (ansonsten mal nach Restraining Bolt von StarWars googeln für die genaue Form) war grob gesehen ca. Ein Zylinder mit etwa 5cm Durchmesser und etwas mehr Höhe. Ich wollte das es etwas Gewicht hat....also massiv gedruckt. EIGENTLICH sollte somit jede einzelne Schicht vom Panel komplett beleuchten worden sein.

Keine Ahnung was da passiert ist, da wo er stand war es schon hell aber nicht direkt im Sonnenlicht. Es war Sommer aber im Wohnzimmer nicht über 30Grad.
Und auch die Jahre davor war er immer im Wohnzimmer,  nur in einer Vitrine an einer anderen Stelle.

Und um es noch lustiger zu machen....ich hatte 2 gleichzeitig nebeneinander auf der Platte gedruckt.  Der 2. wurde für einen anderen Zweck mit 8mm längs durchbohrt,  kein Anzeichen von nicht durchgehärtet. Liegt seit Anfang an im Keller und noch alles Ok.
Gruß, Michael
Schönen Resttag noch.

StiftRoyal

#9
@Jensel

Ja und nein, wäre alles nach dem Drucken bereits ausgehärtet, bräuchte man ja keine Nachbehandlung in Form von UV Licht. Das mit dem Loch wusste ich noch nicht, die Funktion hat mich schon gewundert   :7:  . Hatte mich immer gefragt wozu Löcher im Modell gut sein sollen.

@Nordhorner
Hmm, welche Farbe hatte das Material, mit dem gedruckt wurde?

Ich verwende bei massiven, voluminösen Bauteilen sehr gerne transparentes Harz. Somit kann die spätere UV Dusche ( ich verwende so ein billig Teil, dass eigentlich für´s Fingernageltuning gedacht ist) auch bis ins innere vordringen. Beweisen kann ich nicht, dass es besser funktioniert, Probleme deiner Art hatte ich allerdings noch nie bei meinen Drucken.

Ich kann mir aber gut vorstellen, dass einfach die Lichtstärke der Sonne nicht unbedingt reicht um bis in den Kern von massiven Strukturen vorzudringen.

Der Nordhorner

Das selbe was ich eigentlich fast immer nehme,  das Standard Mittelgraue. Wie auch geschätzt 90% aller Kaufdrucke. Das war von Elegoo. Im Elegoo Saturn.

Danach gewaschen und bestrahlt im großen Wash and Cure von Ani.

Eigentlich alles wie immer.  Und wie gesagt....was ich überhaupt nicht verstehe ist das der 2. Das bisher nicht hatte. Gut, dunkel gelagert, aber der andere war auch fertig lackiert und es war nicht abartig warm.

Aber jedes Resin hat manchmal ein Eigenleben,  auch das zum giessen. Neulich fertige ich etliche Segmente für benötigte Hangar Wände.  Muster gebaut, eine Form erstellt. 5 oder 6 Segmente einwandfrei,  dann eine Becherladung wolkig. Die folgenden wieder einwandfrei.  Jeweils immer Resin für ein Segment gemischt, Überschuss in andere kleine Formen gefüllt. Hier vermute ich das ich beim mischen der 2 Komponenten das eine Mal nicht gründlich genug war....aber das kann beim drucken mit Einkomponentenresin ja nicht passieren.
Gruß, Michael
Schönen Resttag noch.

Nornagest

Hallo,

also mir ist noch nie was zerbröselt. Verzogen ja, aber dann schon gleich am Anfang. Und der Fehler weshalb das passiert ist zu 95% der Anwender. Ein Jahr im Regal, einseitig Sonnenlicht und nicht lavkiert. DAS muss dann schief gehen. Im wahrsten Sinne des Wortes

Gruß
Achim
Ein paar Modelle wollte ich bauen. Mittlerweile bin ich damit soweit im Rückstand, das ich wohl ewig klebe.

Der Nordhorner

Falls du das auf mich beziehst....

Gedruckt, gewaschen, 30 min unter UV. Im dunklen Keller liegen lassen.

Ein paar Tage später grundiert, im dunklen Keller liegen lassen.

Einige Wochen später 2x Schwarz.
Nächsten Tag 1x Silber.  Beides Auto Lack aus der Sprühdose.

Dann jahrelang in der Vitrine.

Dann etwa 1 Jahr auf dem Regal bis zum Schadenfall.


Und was das verziehen angeht....lange dünne Teile aus dem Material sind auch lackiert wesentlich anfälliger für Hitze als PS.
Gruß, Michael
Schönen Resttag noch.