Frage zur Bemalung der technischen Utensilien an deutschen Fahrzeugen außenbords

Begonnen von obsidian, 14. Februar 2025, 14:45:22

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obsidian

Liebe Kollegen !

Hier mal wieder eine ganz spezielle Frage in die Runde :

Gab es bei der dt. Wehrmacht (während des Krieges wohlgemerkt) eine Vorschrift dahingehend, daß die technischen Utensilien und Ausrüstungsgegenstände außerhalb des Fahrzeugs (Panzer, Schützenpanzer, Spähwagen, Zugmittel) auch abzutarnen seien, d.h. ob Spitzhacke, Schaufel, Wagenheber, Feuerlöscher, Brecheisen, Seile, Werkzeugkisten , Eimer etc.) auch die jeweilige Tarnfarbe des Fahrzeugs tragen mußten oder nicht ?

Man sieht in den vielen Bemalungsanweisungen der Kits die unterschiedlichsten Konstellationen. Mal alles klassisch - Schaufelstiel holzfarben, Schaufelblatt metallfarben - dann wieder alles in Tarnfarbe. Mal sind die Benzinkanister in der grauen Farbe des Fahrzeugs zu bemalen, dann wieder im späten Gelb gegen Ende des Krieges. Auch Fotos oder Filme aus der Zeit lassen da nichts Genaues erkennen, da meistens "Schwarz/Weiß" und von minderer Qualität.

Natürlich ist mir klar, daß das an der Front und im Einsatz garantiert auch individuell von den Besatzungen gehandhabt wurde. Wenn der Spaten im Gefecht "abgeschossen" wurde, wurde der Ersatz sicherlich nicht extra noch nachgetarnt.

Aber bei der damaligen deutschen "Gründlichkeit" könnte ich mir vorstellen, daß es eine solche Vorschrift zunächst gab, wenn sie dann auch in der Praxis nahezu unmöglich umzusetzen war.

Ich frage das auch vor dem "modellbauerischen" Hintergrund, wenn man mal ein "fabrikneues" Fahrzeug darstellen möchte . . .

Vielen Dank wieder für etwaige Antworten sowie beste Wünsche für das kommende Wochenende !

Gruß, Andreas alias obsidian 
Erst wenn man anfängt, gegen den Strom zu schwimmen, merkt man, wieviel Dreck einem entgegenkommt ! (Uwe Steimle)

xxxSWORDFISHxxx

Also bei Fahrzeugen mit Werkstarnung ist das Werkzeug m.e. im ursprünglichen Farbton gehalten.
Nur bei im Feld getarnten Fahrzeugen sieht man mitgetarntes Werkzeug wenn man es nicht vor dem Lackieren entfernt hat.

obsidian

Erst wenn man anfängt, gegen den Strom zu schwimmen, merkt man, wieviel Dreck einem entgegenkommt ! (Uwe Steimle)

freddy55

Hallo Andreas, :winken:
in der Übergangszeit Panzergrau->Dunkelgelb (1943) werden die Zubehörteile, auch aus Material- und Zeitmangel, wohl nicht von einem auf den anderen Tag neu getarnt worden sein.
So ist ein dunkelgelbes Fahrzeug mit grauen Kanistern, Feuerlöschern oder Wagenhebern und ungetarnten Werkzeug durchaus möglich.
Auch unterliegen Lackierte z.B. Schaufel- oder Hackengriffe
bei Benutzung einem gewissen Verschleiß d.h. die Farbe greift sich ab.
Also warum tarnfarbig lackieren ??
Bei Afrika-Fahrzeugen war das Problem noch gravierender.
Fahrzeuge waren beim eintreffen in Afrika panzergrau und mussten dann neu getarnt werden.
Der Nachschub an Tarnfarbe reichte nie wirklich aus, Futter, Munition und Kraftstoffe waren wichtiger. Da wurde nur lackiert was unbedingt notwendig war, und jeder Eimer Beutetarnfarbe ganz gleich ob englischer, italienischer oder sonstiger Herstellung wurde dankbar angenommen und verwendet.
Zur Not wurde eine Schlammpampe verwendet, deren Haltbarkeit war allerdings minimal.
Ich denke das die Zubehörteile, wenn überhaupt, auf allen
Kriegsschauplätzen als letztes Lackiert wurden.


fred


am Borsigplatz geboren

obsidian

Besten Dank freddy55 - da gehe ich total d´accord mit Dir !

Danke für die Hinweise !  :P

Ein schönes WE wünscht Andreas
Erst wenn man anfängt, gegen den Strom zu schwimmen, merkt man, wieviel Dreck einem entgegenkommt ! (Uwe Steimle)

Steffen

Vorschriften darüber sind mir keine bekannt. Wohl aber werksübliche Praktiken.
So war es im Nibelungenwerk üblich, die Fahrzeuge voll auszustatten, Probe zu fahren, zu waschen und dann erst zu lackieren. Die Bordausrüstung wurde hierzu nicht wieder abgenommen, sondern gleich mit überlackiert.

Hätte Gott gewollt dass ich Grünzeug fresse, wär' ich ein Kaninchen !

freddy55

Hallo Steffen,

auch bei werksseitigem Lackieren gibt es bestimmte Werkzeuge
die sehr schnell in Gebrauch waren und dementsprechend Farbe
verlieren. Ich denke z.B. an Hammer und Brechstange die bei
der ersten Verladung zum Umziehen auf Verladeketten benutzt
wurden.

fred
am Borsigplatz geboren

Steffen

Verladeketten hast du nur bei Tiger I, Tiger II und Jagdtiger.
Im Nibelungen Werk in St. Valentin wurden der Pz.Kpfw.IV und der Jagdtiger gebaut.

Ob im Werk die Bordwerkzeuge oder werksinterne Werkzeuge für den Kettenwechsel verendet wurden, entzieht sich meiner Kenntnis. Wahrscheinlich aber eher werksinterne Werkzeuge, das ist sinnvoller und effektiver als jedes Mal die Bordwerkzeuge herunter zu lupfen.
Was dann nach Übergabe an die Truppe geschah, ist dann ein ganz anderes Blatt.

Werksaufnahmen aus dem Henschel Werk in Kassel zeigen, dass dort bei Tiger I und Tiger II schon zu Anfang Verladeketten aufgezogen waren. Offenbar wollte man hier Zeit sparen um zeitnah verladen zu können. Es macht ja auch keinen Sinn, erst Gefechtsketten aufzuziehen und dann auf Verladeketten zu wechseln. Wenn man weiß, dass die Panzer von der Werkhalle direkt in die Bahnverladung gehen.
Gegen Kriegsende sieht man auch viele Tiger II mit Verladeketten im Gefecht.

Zurück zum Thema der Fragestellung im Eröffnungsbeitrag.
Es gab also beides ; Werkzeuge im "Urzustand" und überlackierte. Sei es nun ab Werk bei Nibelungen oder durch spätere Nachlackierungen im Felde.  :1:


Hätte Gott gewollt dass ich Grünzeug fresse, wär' ich ein Kaninchen !

freddy55

Hallo Andreas, :winken:

um auf deine ursprüngliche Frage zurück zu kommen.
Wie fast immer im Modellbau ``alles kann. nichts muss``
oder ``Mach doch einfach wie du magst`` :7:

Schönes Rest-WE

Fred

 
am Borsigplatz geboren

Army66

Moin
Ganz nach dem Motto: nur weil es nicht Fotografiert wurde heißt es nicht das es das nicht gegeben hat.

obsidian

Herzlichen Dank für Eure formidablen Einlassungen, liebe Kollegen !

Ich habe in der Zwischenzeit auch noch ein wenig mehr recherchiert und im neuen "Nuts & Bolts"-Buch über den Hetzer (übrigens ein epochales Buch !!!) Werks-Aufnahmen gefunden, wo Brechstange und Wagenheber gleich mit übertarnt waren.
Bis auf den Umstand, daß ein nagelneuer, weithin glänzender Blecheimer wohl im Einsatz nicht toleriert wurde, war im Felde natürlich sicherlich alles möglich. Mich hatte nur interessiert, ob es (bei der bis heute anhaltenden deutschen Regulierungs- und Normierungswut) nicht auch entsprechende Vorschriften für das Abtarnen von Werkzeug gegeben hat - was mich, im Falle der Existenz Solcher - denn auch nicht gewundert hätte . . .

Nochmals vielen Dank und einen schönen Rest-Sonntag in die Runde !

Gruß, Andreas
Erst wenn man anfängt, gegen den Strom zu schwimmen, merkt man, wieviel Dreck einem entgegenkommt ! (Uwe Steimle)

Steffen

@obsidian
Welches Werk ? Der Hetzer wurde in zwei Werkengebaut ; bei Skoda in Pilsen und bei BMM (Böhmisch-Mährische-Maschinenfabrik) in Prag.
Hetzer dieser beiden Werke unterschieden sich in einigen werkstypischen Deteails.

Ich habe meine Literatur jetzt nicht zur Hand. Aber ich glaube es war Skoda, wo über Alles lackiert wurde. Bei BMM bin ich mir nicht sicher.

Hätte Gott gewollt dass ich Grünzeug fresse, wär' ich ein Kaninchen !

obsidian

Hallo Steffen !

Im besagten "Nuts & Bolts Nr. 49" sind auf den Seiten 144 und 157 "übertarnte" Hetzer (Werksfotos) zu sehen, unklar ob Skoda oder BMM. Aber auf Seite 143 gibt es ein solches "übertarntes" Fahrzeug - und zwar von BMM.

Vielen Dank für Deine Einlassung und Gruß von Andreas  :winken:
Erst wenn man anfängt, gegen den Strom zu schwimmen, merkt man, wieviel Dreck einem entgegenkommt ! (Uwe Steimle)