Contestmodell 1 - maxim

Begonnen von Warlock, 12. Februar 2012, 16:43:09

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Warlock


10 Jahre amerikanischer U-Bootbau
oder was 10 Jahre für das Befahren der Polarregionen ausmachen

In den ZEHN JAHREN  zwischen 1944 und 1954 veränderte sich der amerikanische U-Bootbau radikal, was ich hier an zwei Booten illustrieren möchte: der 1944 in Dienst gestellten USS SENNET und der 1954 in Dienst gestellten USS NAUTILUS.
SENNET gehörte zur Balao-Klasse und war, wie alle U-Boote seit den Booten des Ersten Weltkriegs, eigentlich auf Überwasserfahrt optimiert und hatte nur begrenzte Tauchfähigkeiten. Der Hauptantrieb erfolgte über Dieselmotoren. Die Reichweite war mit diesen 11 000 Seemeilen und die Höchstgeschwindigkeit betrug 20,25 kn. Unter Wasser konnte ausschließlich mit Batterien gefahren werden, die nur für zwei Tage Energie hatten und mit denen nur 8,75 kn erreicht werden konnten. SENNET gehörte zu den Booten, deren Geschützbewaffnung mit zwei 12,7 cm und zwei  4 cm Kanonen auch noch besonders stark ausfiel – um über Wasser japanische Handelsschiffe angreifen und dabei Torpedos sparen zu können.
Die ZEHN JAHRE später in Dienst gestellte NAUTILUS war dagegen auf die Fahrt unter Wasser optimiert. Sowohl die Rumpf- als auch die Turmform wurde entsprechend geändert. Geschütze waren gar nicht mehr an Bord, als einzige Bewaffnung verfügte sie über Torpedos für Unterwasserangriffe. Der stärkste Unterschied zwischen den beiden U-Booten bestand im Antrieb: der Atomreaktor der NAUTILUS, der eine Dampfturbine trieb, ermöglichte eine sehr hohe Unterwassergeschwindigkeit. Getaucht konnte NAUTILUS 23 kn fahren und war damit schneller als SENNET über Wasser. Der Atomantrieb ermöglichte auch eine sehr hohe Reichweite unter Wasser: NAUTILUS war das erste U-Boot mit einem außenluft-unabhängigen Antrieb.
Diese innerhalb von ZEHN JAHREN (1944-54) realisierte Entwicklung von einem nur begrenzt-tauchfähigen zu einem voll-tauchfähigen U-Boot bedeutete auch, dass U-Boote neue Regionen der Welt befahren konnten.  SENNET überlebte 1946/47 im Eis der Antarktis nur mit Hilfe eines Eisbrechers knapp. Sie konnte wegen der mangelnden Reichweite unter Wasser nicht unter dem Eis wegtauchen. Dazu hatte sie das Problem, dass sich das Eis über den niedrigen Rumpf schob, so dass sie sich auch nur mit Unterstützung des Eisbrechers über Wasser halten konnte. ZEHN JAHRE später, 1957, startete NAUTILUS den ersten Versuch unter dem Eis zum Nordpol zu gelangen. Die ersten Versuche scheiterten u.a. an technischen Problemen, aber am 3. August 1958 erreichte sie den Nordpol. Ausgehend vom Pazifik war sie dabei unter dem Eis der Arktis hindurch bis zum Nordatlantik gefahren. NAUTILUS war damit das erste Wasserfahrzeug, das den Nordpol erreichte und damit demonstrierte, wozu atomgetriebene U-Boote in der Lage waren.
Die SENNET wurde aus dem Balao-Bausatz von HobbyBoss im Maßstab 1/700 gebaut. Sie erhielt ein zweites 12,7 cm-Geschütz. Die 4 cm-Flak sind von Niko Models und wurden aus Zwillingslafetten umgebaut. Außerdem wurde der Radarmast sowie die Funkantenne abgeändert, um die SENNET darzustellen. Die NAUTILUS wurde aus dem 1/700-Bausatz von WSW praktisch aus dem Kasten gebaut. Lediglich die Tiefenruder wurden gegen dünnere aus Plastikplatten ausgetauscht. Das Diorama wurde aus Gips sowie Acrylgel und –farben hergestellt.
We are the pirate metal drinking crew

HSS

Gut gemacht  :P das Dio.

Komisch, hätte gedacht dass Du weiter vorne bist (ist aber nur meine Meinung).

starship24

Für uns Schiffsmodellbauer ein sehr interessantes Thema! Besonders gefällt mir die Nautilus auf dem Dio. Erinnert mich an den Bau meines Revell-Modells in den Siebzigern ...

:winken:

Catmom

Für mich persönlich gehörte dieses Dio zu den Favoriten  :respekt:

Graf Spee

Sehr schönes Dio :P

Mir gefällt die Veranschaulichung der technischen Entwicklung sehr. :1:
Vom Diesel-Elektrischen zum Nuklearantrieb in nur 10 Jahren 8o

:winken:
Handle nur nach derjenigen Maxime,
durch die zugleich wollen kannst,
das sie ein allgemeines Gesetz werde.



Bernd B.

Tja, auch ich war doch etwas sehr überrascht über den Platz, den dieses Modell "erringen" konnte  - für miich war es ein Favorit. Ach was, DER Favorit. Allein schon wegen der Umsetzung der Vorgabe "Zehn Jahre" in einem realen, gut nachvollziehbaren Vergleich zweier Technologien/Konstruktionen. Ganz klar (in meinen Augen) die beste, weil eben auf den Punkt genaue, Interpretation des Wettbewerbsthemas.

Schade, dass nicht mehr Leute so dachten ... aber die feuchte Fraktion hat es wohl per se schwerer, schätze ich.

KlausH

Hi Lars,

die Umsetzung find ich exzellent, alleine schon das "Eis" ist echt der Hingucker. Auch die Idee passt gut zum Thema.

Ich hoffe, das gute Stück mal in Natura sehen zu dürfen!

Schöne Grüße
Klaus


Puchi

Auch für mich war das Dio einer der Favoriten, hat es doch einen sehr schönen Bezug zum Contestthema. :klatsch: Der 9. Platz überrascht mich daher genauso!

Nichtsdestotrotz: eine Superidee in Bezug auf das Thema und toll umgesetzt! :P

Liebe Grüße,

Karl

AnobiumPunctatum

Die Idee fand ich klasse, auch die modellbauerische Umsetzung ist gelungen.
Das Problem bei 1/700 Schiffen liegt in meinen Augen gerade bei U-Booten darin, dass sie sehr einfach gestrickt sind. Von Ausstellungen kennt man viele Modelle, die zusätzlich mit Ätzteilen aufgewertet werden. Lars verzichtet aus persönlicher Überzeugung im Normalfall darauf. Ich vermute, dass er gerade deswegen im Modellbauerischen einige Abzüge hatte.

Ich hoffe, dass ich das Dio in Wilnsdorf live sehen kann. :P
:winken:  Christian

in der Werft: HMS Triton 1773, Maßstab 1/48

"Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."

starship24

Zitat von: Bernd B. in 11. März 2012, 08:58:15
... aber die feuchte Fraktion hat es wohl per se schwerer, schätze ich.

Außer es wird mal wieder eine Bismarck, Tirpitz, oder Scharnhorst präsentiert ...


:winken:

Bernd B.

Zitat von: starship24 in 11. März 2012, 09:44:56
Außer es wird mal wieder eine Bismarck, Tirpitz, oder Scharnhorst präsentiert ...

Ganz so schwarz sehe ich es nun auch nicht - es darf auch eine HMS Victory sein ... :D

Universalniet

Ich finde Dein Beitrag ist eigentlich ein schöner Beleg dafür wie unterschiedlich die Interessen im Board sind.
Modellbauerisch sind Deine winzigen Schiffe für mich hier oberste Liga und ich hätte daher vermutet, zumal die Idee 10 Jahre toll umgesetzt war) dass Du viel weiter oben landest.

Für eine wirklich tolle Idee  :winken:

starship24

Bernd B. Anders ist die Sache natürlich in Foren, die sich rein mit Schiffsmodellbau befassen ...

:winken:

Bohemund

Das hat mich jetzt wirklich überrascht. Ich habe diesem Dioarama meine zweithöchste Wertung gegeben und habe ganz fest an eine Platzierung unter den ersten 3 gerechnet. Aber so ist das wenn man von den eigenen Interessen ausgeht...

Hier jetzt noch mal meine persönlichen Glückwünsche an Maxim für dieses wirklich tolle Stück Handwerk!

Gruß,
Torben

Flugwuzzi

 :P Interessantes Dio und wie winzig das alles ist.
Was mir persönlich nicht ganz so gefallen hat, war die styroporartige Darstellung vom Eis. Dadurch kamen für mich die Boote auch nicht so ganz zur Geltung wie sie es verdient hätten.

lg
Walter
DAS GEHEIMNIS DES ERFOLGES IST ANZUFANGEN. (Mark Twain)

maxim

#15
Vielen Dank für Eure Kommentare!

Ich denke, dass AnobiumPunctatum schon recht hat, dass meine beiden U-Boot-Modelle nicht so komplex sind und deshalb so weit hinten gelandet sind. Vorne sind die Modelle, die a) das Thema gut getroffen haben und b) aufwendig und gut gebaut sind.

Ursprünglich hatte ich überlegt, ein Schiff zu bauen, was etwas so alt wie das Modellboard ist, z.B. den japanischen Zerstörer Ikazuchi der Murasame-Klasse oder die britische Fregatte Portland der Duke-Klasse (Typ 23). Die andere Idee war ein Schiff aus dem Afghanistan-Krieg, der fast genau bei Gründung des Modellboards ausgebrochen ist. Da wäre die Wahl auf den Zerstörer Fletcher der Spruance-Klasse gefallen, den ich sowieso noch bauen will. Aber bei Start des Contests war ich noch mit der Tiger, Abukuma und Fram bis Mitte Dezember 2011 beschäftigt, so dass ich nach etwas weniger aufwendigen gesucht habe. In einer TV-Dokumentation über die Fahrt von Hubert Wilkins Nautilus in Richtung Nordpol hatte ich die Idee, ein paar an der Polarforschung beteiligte U-Boote zu bauen. Da ich keinen Bausatz der US-amerikanischen O-Klasse gefunden habe, zu der Nautilus ex O-12 gehört, habe ich mich für Sennet und Nautilus entschieden: Sennet wegen der Beteiligung an Operation Highjump in der Antarktis und Nautilus wegen der Fahrt unter dem Nordpol.

Beide Modelle sind nicht aufwendig:

Die Nautilus besteht aus fünf Teilen (@Christian: ich wüsste nicht, wo ich hier Ätzteile anbringen soll).

Die Sennet besteht aus 14 Teilen (sechs davon aus dem Bausatz. @Christian: eines, der Radar, ist ein Ätzteil, hier könnte man noch die Reling um die Bofors, eventuell die Reling an Deck und den Ausguck machen - keine Ahnung, ob es für die mehr spezifischen Teile Ätzteile gibt.)

Solche U-Boote kann man sehr schnell bauen. Da ich für die Sennet ein zweites 12,7 cm-Geschütz brauchte, habe ich noch einen Balao-Bausatz von HobbyBoss gekauft und dessen Rumpf zur Halfbeak in der GUPPY II-Version im Zustand ihres Einsatzes während des Internationalen Geophysikalisches Jahr 1957/58 umgebaut. Bei der Nautilus lang noch ein Boot der Skipjack-Klasse bei, aus der ich die Scorpion gebaut habe - einen polaren Bezug habe ich bei der Klasse nicht gefunden.

Dann hatte ich noch die Idee, nicht für den Contest nicht nur ein Boot von 1944 und 1954 zu bauen, sondern eine Reihe von Booten mit jeweils zehn Jahren Abstand beim Bau. Für 1964 habe ich Tinosa der Tresher/Permit-Klasse gebaut (da habe ich auch keinen polaren Bezug gefunden), für 1974 wäre es ein Boot der Los Angeles-Klasse geworden (1984 und 1994 wäre langweilig, da nur Boote der Los Angeles-Klasse fertig wurden, 2004 wurden Jimmy Carter und Virginia in Dienst gestellt). Diese Idee habe ich aber wieder verworfen, da a) beim HobbyBoss-Bausatz der Los Angeles-Klasse die Teilung des Rumpfs nicht an der Wasserlinie ist - d.h. da muss ich noch sägen  :5: b) ich den doppelten 10 Jahre Bezug bei Sennet und Nautilus interessanter fand, also im Abstand von zehn Jahren gebaut und im Abstand von zehn Jahren mit total gegensätzlichen Erfahrungen, die sich direkt aus den technischen Eigenschaften ableiten, im Einsatz in den Polarregionen.

Hier sind die US-Boote, die ich bisher nebenbei gebaut habe:


Tinosa, Scorpion, Nautilus, Halfbeak und Sennet.

Nebenbei ist wörtlich zu nehmen, da ich eigentlich die Java gebaut habe... Ich muss von den Booten noch richtige Fotos machen (inklusive der Heckflossen bei den ersten drei) und dann Bauberichte schreiben...
Im Bau: Eisbrecher Fyodor Litke (1/700, Brown Water Navy Miniatures)


Spritti Mattlack

Ich persönlich bewundere bei Lars Werken eigentlich eher das profunde Fachwissen, welches dahintersteckt. Man kann davon ausgehen, das wenn Lars das so baut, das auch so war.

1/700 bietet sich eben nicht so für Detaillierungsorgien an. So hat jeder Maßstab seine Vor- wie Nachteile.

Das Wasser weiß zu beeindrucken, die Eisdarstellung gefällt mir auch gut. An den Modellen an sich, kann ich jetzt nicht soooo viel Herausragendes finden. Ich denke aber, auch Lars ist sich durchaus bewusst, das da in 1/700 nicht allzu viel zu machen ist.

Insgesamt vermittelt das Dio aber auch eine schöne Stimmung. Mir wird richtig kalt beim Betrachten! ;)

Ulf :winken:

A man who is tired of Spitfires is tired of life

starship24

Zitat von: Spritti Mattlack in 11. März 2012, 15:53:18
1/700 bietet sich eben nicht so für Detaillierungsorgien an. So hat jeder Maßstab seine Vor- wie Nachteile.

Das würde ich so nicht sagen! Es kommt darauf an. Im Schiffsmodellbau gibts für den Maßstab 1/700 eine Fülle an Detaillierungsmöglichkeiten. Ich veweise hier nur mal auf die Zurüstsätze von FlyHawk oder den neuen Zurüstsatz von Regia Marina für die Roma in 1/700. Und ein Bau in 1/700 kann oft anspruchsvoller werden als der vergleichbar größere Maßstab 1/350.

:winken:

Weme65

hi,
war eigentlich mein Favorit. Sauber gebaut und lackiert und dazu noch aufwändig in Szene gesetzt.

gruß Werner  :winken:
Unterfranke
Aktuelle Projekte:
BV 138 C-1 1/72 Revell
A-10 C Thunderbolt II "Indiana ANG 100th Anniversary" 1/72 Hasegawa

Ralf_B

Hallo Lars,

Idee und Umsetzung haben mich eigentlich einen besseren Rang erwarten lassen. Vielleicht lag es an der etwas "nüchteren" Darstellung, die zwar einen super Gesamteindruck vermittelt, aber keinen echten "Eyecatcher" bietet. (Es fehlt wohl sowas wie ein Ronnie, der aufs Klo rennt  :D ). Schade, das Dio zeigt nämlich eine wirklich herausragende modellbauerische Arbeit!

Wir sehen uns beim nächsten Contest -

Gruß

Ralf
Ich versuche mich zu bessern! :V:
KLICK: Mini-GB 50 Jahre Mondlandung





starship24

Hier gibts ein Dio mit dem alten Revell-Kit an den ich mich noch gut erinnern kann. Lang ists her. Der Bausatz hatte mit dem Original nur wenig Übereinstimmung. Der WSW-Kit im Diorama von maxim ist da besser getroffen.

http://dioramabau.npage.de/dioramen-schiffe/diorama-uss-nautilus.html

Original:

http://1.bp.blogspot.com/_TGS61dlat8U/SnbVTp56Q0I/AAAAAAAABOw/1eRzlBowPNA/s1600/Naut+today.jpg


:winken:

maxim

Interessantes Modell, auch noch mit JB-2 Loon (LTV-N-2) - die es natürlich nie auf der Nautilus gab  :D

Ansonsten sieht das Modell auch nicht so wirklich ähnlich aus...
Im Bau: Eisbrecher Fyodor Litke (1/700, Brown Water Navy Miniatures)