He 162 "Weisse 1"

Begonnen von Russfinger, 16. April 2024, 11:21:47

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Russfinger

Moin,

in einem Anfall von Irrsinn bin ich dabei, die He 162 von Frog zu bauen.
Nun ist mein Irrsinn keinen Thread wert, aber: Ich habe Decals für die "Weisse 1" von Rudolf Schmitt und möchte diese Markierungs- und Farbvariante gerne umsetzen.

Nur: Anscheinend sind sich die Experten über einige Farbgebungs-Details nicht einig.
Einige Anleitungen und gebaute Modelle zeigen einen Lufteinlass in Alu und die Fahrwerkslappen in 65.
Andere gehen von einem roten Triebwerkseinlass aus und sehen Rumpf und Klappen durchgängig in 76.

Gerade den Lufteinlass in Alu habe ich häufiger gebaut gesehen. Die 65er Klappen sind mir neu. Für plausibel halte ich weder das eine noch das andere - jedenfalls bei dieser Maschine.

Mir ist nur ein Foto der originalen "Weissen 1" bekannt:
Weisse EIns

(nach unten scrollen)

In Anbetracht des Bildes ist es mir zunächst einmal schleierhaft,  einen alufarbenen Triebwerkseinlass überhaupt in Betracht zu ziehen. Auch Klappen in 65 sehe ich dort nicht.

Andererseits taucht das sogar bei der neuen Special-Hobby auf, und repräsentiert einen recht aktuellen Stand der Recherche. Oder?

Kurzum: Weiß jemand Näheres? Hat einer andere Fotos? Wie würdet ihr lackieren?

 :winken:

Russie


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Iceman-Pilot

Mangels besseren Wissens kann ich auch nur versuchen, das Foto zu interpretieren. :woist:  Dabei habe ich das s/w-Foto der weißen Eins (2. von oben) genommen. Der helle Grauton im Staffelwappen scheint für mich identisch zu sein mit dem hellen Grau des Pfeils vorne am Bug. Aber das Grau vom Lufteinlass wirkt etwas dunkler und matter, was aber natürlich auf die Rundung bzw. die Lichtverhältnisse zurückzuführen sein könnte. Ich würde das aber auch nicht als Aluminium/Silber interpretieren.

Noch ein Bild tiefer, da wo der Offizier nach rechts aus dem Bild rausgeht, da wirkt der Lufteinlass aber sehr strahlend und glänzend. Selbes Flugzeug, andere Lichverhältnisse und somit andere Wirkung  :pffft:

Die einfachste Erklärung für die Abweichungen zwischen den einzelnen Maschinen ist für mich, das die Maschinen unterschiedlich bemalt waren. Die weiße Eins vielleicht als Führungsmaschine etwas bunter, die anderen Staffelmaschinen etwas einfacher und einheitlicher. Ähnlich wie bei der US Navy in den 70er/80er-Jahren...


Alex
 :winken:
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Hans

Ich denke, der Lufteinlass war rot. Unlackierte Einlaufverkleidungen deuten auf einen Triebwerkswechsel hin. Nicht auszuschließen. Mir erscheint aber der Bereich einfach zu dunkel für ein unlackiertes Teil. Zudem war nach meinem Blick dieser Bereich auch größer als der gezeigte lackierte Bereich.

Fahrwerksklappen in 65 sind nicht auszuschließen, aber erfordern halt wieder die alte Annahme "Restfarbe". Für mich ist es wahrscheinlicher, dass es sich gem Vorschrift um 76 handelt, aber es gab definitiv mindestens drei Farbvarianten. Zudem ist der Rumpf m.E. nur dünn überlackiert, so dass er durchaus heller wirken kann als eine zugelieferte Fahrwerksklappe. Eiiiiigentlich....müsste er sogar in der grünlichen Variante lackiert sein (hauchdünn), Flügel, Leitwerk und andere Teile dann in der blauen Variante.
Ceterum censeo: Die Lackierung ist wichtiger

Russfinger

Danke für eure schnellen Antworten.  :P
Hans: Mit "grünlich" und "blau" meinst Du die Farbstichigkeit (sry, ein anderes Wort fällt mir nicht ein) des 76?

 :winken:

Russie


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Kannonenvogel

was ich dazu beisteuern kann  :winken:

Hans

Russie, ja. ,,Blau" war der ,,alte"Farbton, der für Holz oder Stoff beibehalten wurde. Günlich war die Version für Metall, für einen einschichtigen Auftrag, der wohl chromoxid enthielt. Es gab noch eine ,,weisse" Variante, der Grund ist aber spekulativ
Ceterum censeo: Die Lackierung ist wichtiger

Russfinger

Dieter und Hans:  :P  :P

 :winken:

Russie


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Wolf

Die Farbgebung der He 162 im allgemeinen haben wir hier a schonmal diskutiert. Viellicht findest du den Beitrag noch.

Es gibt wohl so einige Ungereimtheiten bei der He 162. Zum einen gibt es natürlich die Möglichkeit wie von Hans beschrieben, dass auf Holz eine andere Farbe zur Anwendung kam als bei bei Metall. Es gab aber in der tat auch Maschinen an denen man "alte" Farben gefunden hat. So z. B. an der in Frankreich restaurierten Maschine. Diese hatte RLM 70 und 65. Also Bomberfarben.

Es gibt ja auch noch das Bild der weißen 23, welches vermutlich den originalen Anstrich zeigt. Da ist eine Klappe in blau zu erkennen, welches ich eher als RLM 65 sehe statt einer blauen Variante von 76.

Ich halte also RLM 65 durchaus für möglich, zumal die Klappen vermutlich woanders produziert und lackiert wurden als die Rümpfe.



Zum Lufteinlauf: schwierig. Erscheint mir für Alu zu stumpf und dunkel auf dem S/w Bild 
Wer Future hat, hat noch lange keine Zukunft

Russfinger

Moin :-)
Danke Wolf, für Deine Antwort.

Skyfox hat mir gestern Abend mal Literatur zukommen lassen (DANKE) und so langsam lichtet sich der Dschungel. Beziehe mich hier auf "The Heinkel He 162 a detailed guide to the Luftwaffe's Volksjäger" von Richard Franks. Erschienen 2018, also mit recht aktuellen Forschungsergebnissen.

Franks arbeitet in seinem Werk verschiedene Lackierungsvarianten heraus, und zwar je nach Produktionszeitraum und -Ort.

Im Endeffekt entsteht folgender bunter Vogel wenn man sich die "Weisse 1" vornimmt:
Rumpf: 82/76, Triebwerkshülle 81, - und jetzt kommt's: Flügel 70/65. Letzeres identisch mit der in Frankreich restaurierten Maschine. Als ich von der entsprechende Fotos sah, konnte ich es kaum glauben, aber scheint tatsächlich mehr als einmal vorgekommen zu sein  :).

Von Klappen in 65 ist bei dieser Werknummer nicht die Rede.
Wo ich allerdings gar nicht mitgehe, ist die Angabe, dass der Triebwerksauslass in einem grauen Primer lackiert sei. Dafür ist mir die Farbe dann doch zu kräftig und die Übereinstimmungen mit dem Pfeil und dem Staffelwappen zu groß. Und: Folgenden Dialog kann ich mir richtig gut vorstellen:
TO: Triebwerk gewechselt?
Mechaniker: Ja.
TO: Fast sinnlos, denn morgen ist der Krieg vorbei.
Mechaniker: Übermorgen! Frühestens.
To:?!!!
Mechaniker: Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass ich dem Feind einen unlackierten Triebwerkseinlass präsentiere. Da kommt schön Primer drüber. Und wenn der dann trocken ist, dann Lack. DANACH kann man dann VIELLEICHT über eine Kapitulation reden...
To: Ok. Ich werde es Dönitz ausrichten.

Ne: So kurz vor Schluss haben die meiner Meinung nach ein Wechseltriebwerk, mit Alu-Einlass direkt in die Hülle geschoben - oder es wurde gar nicht gewechselt und der Einlass war rot. :)

 :winken:

Russie 
 


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Wolf

Noch als Ergänzung: In England wird derzeit auch eine He 162 restauriert. Auch hier kommt ganz unter der 60 Jahre Lackierung ein dunkles Grün zum Vorschein.

Übrigens, kleine Anekdote am Rand: die französische hatte ein Fahrwerksbein in RLM 66 und eins in RLM 02
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Hans

81 ist von 71, je nach Herstellungszeitraum, ohne Pigmentprüfung schlecht zu unterscheiden. War bei der Do 335 und der Münchener 262 auch so. 70 dagegen ist ja schwarzgrün und ist wirklich arg dunkel. Was die Fahrwerke anbelangt, 66 war der vorgeschriebene Farbton ab Ende 44, es gibt etliche Me 262 mit 66 Fahrgestellen.
Ceterum censeo: Die Lackierung ist wichtiger

Wolf

Ja, das mit den Fahrwerken weiß ich. Deshalb schrieb ich ja Anekdote. Es ist halt optisch ungewöhnlich und für den Modellbauer interessant eine solche Mischung zu haben.
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Russfinger

#12
Danke euch!  :P

Eine weitere Variante bei der He 162 sind Räder in 02.
Habe mir hier Dieters Bilder noch einmal angeschaut: Ja, bei der weißen 3 würde ich da mitgehen. (Siehe hier auch Dieters Lageplan)

Habe das bei der weissen 1  auch schon gebaut gesehen. Aber in Anbetracht des ersten Bildes, das die weisse 1 von schräg vorne zeigt: Kann sein. Muss aber nicht. Daher habe ich davon Abstand genommen. Warum? Ehrliche Antwort: In 22 gefällt es mir einfach besser  :D

Ein andres Thema ist das Bugrad: Das ist eine Speichenkonstruktion. (Übrigens hat Frog das für die damalige Zeit sogar ganz gut wiedergegeben.) Hier habe ich mich für Alu entschieden, und das geben die Fotos meiner Meinung nach auch her.

Das Bild 5.jpg von Dieter bringt dann neuen Denkstoff: Rumpfrücken in Schwarz?
Hier tendiere ich zum Ja. Zum Zeitpunkt der Aufnahme scheint ja die Sonne direkt von Links. Und zwar so stark, dass das HK auf dem Backbord-Leitwerk nicht zu erkennen ist, und das Backbord-Seitenruder fast metallisch erscheint, obwohl aus Holz.
Trotz der direkten Sonne ist die Farbe auf dem Rumpfrücken aber immer noch deutlich dunkler als das durch die Sonne aufgehellte Schwarz des Balkenkreuzes auf dem Rumpf.
Gut, auch die Innenseite des Steuerbordleitwerkes ist dunkler als das Schwarz des Balkenkreuzes. Aber das Steuerbord-Seitenruder knickt ja nach innen und liegt somit im Schatten, der Rumpfrücken nicht. Von da aus wird dieser Schwarz. Oder?

 :winken:

Russie 



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Hans

#13
Das folgende Bild weckt bei mir wieder Zweifel am roten Triebwerkseinlass der "1". Die M23 ist sicherlich nur grundiert und hat keine taktische Kennung noch Staffelfarbe. Und trotzdem ist der Einlauf zumindest dunkel.
Quelle: Tr (oder so)
Ceterum censeo: Die Lackierung ist wichtiger

Wolf

oder grundsätzlich rot lackiert, wenn anders (nicht Tarnfarbe) lackiert?
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Hans

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Russfinger

Erst einmal DANKE :-)

Habe hier eine ziemlich verwegene These, die Wolfs Vermutung stützt: Das BMW 003 wurde für die He 162 und die Arado 234 produziert. Ein wesentlicher Unterschied bestand in der Aufnahme der Triewerke: Einmal auf dem Rumpf, einmal unter dem Flügel. Die entsprechenden Versionen waren diesbezüglich ausgelegt, ein Tausch wäre nicht möglich gewesen. Aber Verwechselungen beim Versand...
Könnte es daher nicht sein, dass Einläufe der Versionen für die He 162 in Rot lackiert waren, um Verwechselungen zu vermeiden bzw. die Logistik zu vereinfachen? Später Tarnfarbe drüber war ja kein Problem gewesen, q.e.d. Und bei den ganz späten Heinkels hat man es dann gelassen...


No Kit left behind!

Russfinger

Moin. Nach einer Nacht drüber schlafen: Man hätte die Triebwerke auch einfacher kennzeichnen können, zum Beispiel mit einem einfachen Pinselstrich.
Dennoch: Andersfarbige (grundierte?) Einläufe finden sich auch in anderen Beute 162 im halbfertigen bzw. halbkapputem Zustand.
He 162 Bernburg
Wenn man sich durch die Galerie durchklickt findet man noch mindestens ein weiteres Beispiel, die weise 4.
Es sieht so aus, dass die Triebwerke entweder mit Grundierung oder Lackierung geliefert wurden. Sieht für mich auch dunkler aus als 02.
Andererseits: Existieren Gegenbeispiele in Naturmetall?

 :winken:

Russie


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