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Autor Thema: Schiffe Baubericht "HMS Free Spirit"  (Gelesen 113581 mal)

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maxim

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Schiffe Re: Die Fregatte ohne Namen... :D
« Antwort #30 am: 08. Januar 2010, 12:21:20 »
Deswegen ist der Rumpf der hier gezeigten Galleone vielleicht gar nicht mehr so unähnlich mit einem Schiff aus dem 18. Jh. ;) Zumal ich das Heck schon abgeändert habe, gemäß den Vorlagen von Fregatten aus dem 18. und 19. Jh. Die vor allem dadurch geprägt waren, dass die Aufbauten am Bug und Heck nicht mehr so pompös wirkten. Fregatten wurden übrigens bereits gegen Ende des 16 Jh. geschichtlich erwähnt. So hat die Royal Navy schon zu Zeiten Heinrich des VIII. (28.06.1491 -  28.01.1547) die erste Fregatte Names „Tygar“ gebaut.

Na ja, eine kleine Galeone von 1620 hatte schon einen Rumpf, der sich stark von einer Fregatte der Napoelonischen Kriege oder auch einer Fregatte aus dem Amerikanischen Unbhängigkeitskrieg unterschied, z.B. die Heckform, stark hochgezogenen Enden, Form der Galeon... Ein spätes Schiff aus dem 17. Jahrhundert hat schon klarere Ähnlichkeiten, aber die sogenannte echte Fregatte war damals noch nicht erfunden. Die taucht erst im frühen 18. Jahrhundert auf, in Großbritannien werden die ersten erst Mitte des 18. Jahrhunderts gebaut.

Zuvor gab es im 17. Jahrhundert ebenfalls Schiffe, die als Fregatte bezeichnet wurden - was aber keine Bezeichnung für einen Schiffstyp war, sondern eine Bezeichnung für ein schnelles Schiff - gemeint konnte alles vom einem Schiff 6. Ranges mit 20 Kanonen bis zu einem Schiff 3. Ranges mit 70 Kanonen.

Die Tygar von Heinrich VIII. ist übrigens ein sehr interessantes Schiff. Auf den meisten Abbildungen sieht es so aus, als wäre sie ein Glattdecker, d.h. hätte kein erhöhtes Achterdeck und Back - was wirklich für die damalige Zeit bemerkenswert ist. Die Tygar wurde damals als Galleasse bezeichnet und konnte auch gerudert werden.

P.S.: Danke Maxim für die Links, ich seh mir die gerne mal an, obwohl ich mit russisch nicht so bewandelt bin... ;)

Es sollten auch herausgezeichnete Spanten für den Rumpf dabei sein, also in Bezug auf dem Rumpf einer Fregatten aus dem späten 18. Jahrhundert, frühen 19. Jahrhundert helfen. Russisch braucht man ja nicht - einfach die jeweils oben verlinkten Dateien (meist komprimierte) herunterladen.
« Letzte Änderung: 08. Januar 2010, 12:23:00 von maxim »
Im Bau: Eisbrecher Malygin (Eigenbau)


Bradhower

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das Heck möchte ich eigentlich auch nicht so übernehmen, wie auf dem Bauplan zu der Galeone dargestellt. Das soll dann schon dem entsprechen, was ich auf den Fotos gezeigt habe. Ich muss die Heckspante nur u. U. noch etwas weiter nach unten ziehen und die Seiten noch etwas mehr bearbeiten. Aber das mache ich erst, wenn ich alle Spanten fertig gestellt habe und ich von Bug bis Heck sehe ob es passt und der besagte Murcks und Gemüseeintopf so beplankt werden kann. Das erfordert sicherlich dann auch noch viel Schleifarbeit und die Spanten am Bug und Heck müssen ein wenig angeschrägt werden, damit die Planken später besser anliegen. Ich hoffe sehr, dass man es dann mit einer Fregatte vergleichen kann, besonders da dieser Begriff ja wirklich seeeehr weitläufig ist...  ;) 

Naja, die Tygar ist ja eigentlich nur der Ursprung, die Mutter aller Fregatten - ähnlich wie der Mark I für den Panzerbau  ;) Aber das die Tygar auch zum rudern geeignet war, dass ist mir neu. Meines Wissens bis dato, habe ich Galeassen, Galeeren und die kleineren Galeoten mehr im südeuropäischen Raum vermutet (siehe "Seeschlacht von Lepanto") und nicht im kühlen Norden.

Im Netz habe ich übrigens eine schöne Anleitung für einsteigende Modellbauer gefunden http://www.gk-modellbau.de/DE/index.htm

Die Dateien habe ich mir heruntergeladen und werde sie mir mal ausgiebig zu Gemüte führen...  :)

Schönen Gruß
Bradhower

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JWintjes

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Nur mal so am Rande zur Tygar - die scheint ursprünglich zwar ein Glattdecker gewesen zu sein, wurde dann aber zu einer kleinen Galeone umgebaut. Wenn ich mich an die Darstellung in der Anthony Roll richtig erinnere, ist die ursprüngliche Form im Prinzip nichts anderes als eine Mini-Galeasse.

Zur "Mutter" aller Fregatten würde ich die Tygar nicht erklären, alleine schon deswegen nicht, weil wir über das Schiff herzlich wenig wissen.

Jorit

modellbau.fan

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Hallo Bradhower,

wenn Du "ein Schiffsmodell mit Segeln und Kanonen" bauen willst/möchtest ist doch alles okay!?!  :pffft:

... aber jegliche Diskussion über eine Anlehnung an namentlich bekannte Epochen, Schiffstypen & Co. führt Dich unweigerlich auf's Glatteis der Begriffsdefinitionen ... und das nicht nur bei den "alten Modellbauhasen".  :n??:

Beispiele, wie der Punkt 'die Mutter aller Fregatten' dazu hier jetzt nochmal aufzuzählen würden bestimmt den Eindruck einer Heidenbekehrung erwecken.  :D

CU modellbau.fan  :winken:

Bradhower

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ich mag dünnes Glatteis, man weiß nicht wie weit man kommt bevor man einbricht...  :D  ;)

ich hab das ja schon verstanden, dass es hier einige mit Epochen, Schiffstypen & Co. wortwörtlich nehmen. Aber man kann alles auch mal ein wenig entspannter sehen und nicht im jeden zweiten Satz heraushängen lassen, was alles Quatsch am Bauvorhaben ist. Und ich beabsichtige schon eine gewisse Anlehnung an besagte Epochen und wenn am Ende das "Segelschiff mit Kanonen" dabei herauskommt ist das auch kein Problem. Dann wird das nächste Schiffsmodell vielleicht historisch genauer, weil ich mich ja auch bei meinem Modellbaukenntnissen und -fertigkeiten weiterentwickeln möchte, bis an Ende irgendwann das Schiff kommt dass historisch exakt recheriert und umgesetzt worden ist. Das ist ein Prozess der bei einem Heiden wie mir gerade erst eingesetzt hat.  :D

Die "Mutter aller Fregatten" ist gar keine so abwegige Definition für die Tygar, immerhin hat sie einige Merkmale der Fregatte bereits verkörpert, wie ein durchlaufendes Deck oder keine Vorder- oder Achteraufbauten. Wobei Letztere sich im Kampf damals als Nachteil erwiesen und somit die Fregatte ersteinmal bis zum 18. Jh. warten musste, bis dieser Begriff wieder verwendet wurde. Damals, wie Maxim schon richtig schrieb, in unterschiedlichen Definitionsweisen.
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Seemannsgarn

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Ich lese diesen Thread mit einem gewissen Interesse. Es geht mal wieder um Modellbauphilosophie, und darüber habe ich (anlässlich der Modelleisenbahn) vor Jahren mal ein ganzes Büchlein geschrieben.
Was mir hier, ehrlich gesagt, imponiert, lieber Bradhower: Dass du, ausgestattet mit mittleren Vorkenntnissen der Schiffbaugeschichte, gewissermaßen das Rad noch einmal erfindest und daran Freude hast. Es gibt so viele Baupläne von Segelschiffen aller Epochen. Die kann man kaufen und anwenden. Das ist schon schwierig genug! Überall stehen Bauplan- und Bausatz-Modelle herum, an denen die Erbauer gescheitert sind. Ich erinnere nur an den Bounty-Etappenbausatz, der den Leuten weismachen wollte, man könne auch mit zwei linken Händen ohne Finger ein hübsches Modell bauen.
Du aber unterziehst dich der gewaltigen Mühe, ein so komplexes Gebilde ab ovo zu konstruieren. Einen Rumpf zu konstruieren ist kein Leichtes. Ich würd's mich nicht trauen. Und ich fürchte einfach, da baust du die Hürden vor dem Ziel zu hoch auf. Es liegt im Modellbau viel Scheiterns- und damit Frustwahrscheinlichkeit. (Ich weiß, wovon ich rede!) Die Pläne und Bausätze helfen, sie zu reduzieren.
Ich mache dir ein Angebot. Durch einen Ebay-Zufall bin ich Besitz der Admiralitätspläne zu einer englischen Fregatte um 1800. Der Plan stammt aus dem Britischen Marinemuseum. Es würde heute einen Batzen Geld kosten, ihn dort kopieren zu lassen. Ich überlasse ihn dir zur Kopie. Ist ein wunderschönes Schiff, gibt's nicht als Bausatz. Du hättest was Eigenes UND was Historisches.
Denk drüber nach ;)
Und nix für ungut :6:
Seemannsgarn

AnobiumPunctatum

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Ich mache dir ein Angebot. Durch einen Ebay-Zufall bin ich Besitz der Admiralitätspläne zu einer englischen Fregatte um 1800. Der Plan stammt aus dem Britischen Marinemuseum. Es würde heute einen Batzen Geld kosten, ihn dort kopieren zu lassen. Ich überlasse ihn dir zur Kopie. Ist ein wunderschönes Schiff, gibt's nicht als Bausatz.

Über welches Schiff sprichst Du? Alte Pläne interessieren mich immer :D
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"Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."

Teredo

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Über welches Schiff sprichst Du? Alte Pläne interessieren mich immer :D

Komisch, so was ähnliches wollte ich auch grade schreiben. :D
Sich sägen bringt Regen.

Bradhower

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Hallo Seemannsgarn,

freut mich das du diesen Thread mit Interesse verfolgst :)

Aber ich hoffe sehr, dass es hier nicht noch in eine Grundsatzdiskussion über die Modellbauphilosophie ausarten wird, dass wäre dann aber zuviel des Beabsichtigten hier ;)

Dass der Bau eines Schiffes nach Bauplan eine reizvolle und auch herausfordernde Aufgabe ist, bestreitet sicherlich niemand. Der Bau eines Schiffsrumpfes hat mir in der Vergangenheit durchaus einige Nerven gekostet und manchmal half nur eine große Anzahl Nägel und viel Leim, damit die Planken sich so zogen, wie ich es gerne haben wollte. Aber nichtsdestotrotz kann ich sagen, dass grundsätzlich die Konstruktion eines Rumpfes kein komplettes Neuland für mich ist (wenn ich demnächst mal in der „alten Heimat“ wieder bin, werde ich mal ein paar Fotos von meinen früheren Schiffsmodellen machen). Außerdem gehe ich inzwischen gewissenhafter zu Werke, als noch mit 15/16 Jahren.
So ist aktuell die Konstruktion von Bug und Heck trotzdem wirkliches Neuland für mich, denn so wie ich es vorhabe, habe ich bis dato noch kein Schiff gebaut. Aber besonders an diesen Rumpfelementen macht es mir großen Spaß zu tüfteln und zu werkeln und nebenbei immer ein waches Auge auf die historischen Vorlagen zu haben :) Heute habe ich zum Beispiel den halben Tag lang, an dieser Vorrichtung gearbeitet (Kreis):

 

Weil sich in Sperrholz gegen die Maserung nur schwer schnitzen lässt habe ich noch ein paar Leisten bearbeitet und angeschrägt, die später die Planken zusätzlich halten sollen. War eine zeitaufwendige Sache und hat auch einiges an Vorarbeit gebraucht, aber mit dem Ergebnis bin ich zufrieden. Aber so etwas ist halt was mich unheimlich reizt, weil ich es mit einem „gefährlichen Halbwissen“ selbst erschließen muss. Wenn ich einen Bauplan habe, wo alles schon vorgezeichnet ist, dann mag das noch so anspruchsvoll sein aber der letzte Funke an Faszination fehlt aktuell einfach bei mir. Weil das „selber erschließen“ und die Umsetzung der eigenen Vorstellungen mich zur Zeit einfach mehr begeistert und antreibt. Zudem kommt der Faktor, dass ich mir auch keinen Zeitdruck dabei mache :)

Das Risiko, dass ich dabei scheitere und/oder gewaltig Frust aufbaue ist natürlich allgegenwärtig und ich schließe auch jetzt schon die Beplankung in mein Abendgebet mit ein. Aber gleichzeitig ist das ein unheimlicher Antrieb es möglichst gut hinzubekommen. Wenn dann doch alles in die Hose geht, na gut, ihr werdet es hier schon merken bzw. lesen und bestimmt nicht Wenige werden mahnend den Finger heben und sagen „hab ichs nicht gesagt, ist nichts als Gemüseeintopf geworden“ ;) Aber dann sehe ich die investierte Arbeitszeit nicht als vertane Zeit an, schön ist es sicherlich nicht, wird aber später ein unheimlich wichtiger Erfahrungsschatz für zukünftige Vorhaben sein… :D Denn wie bereits vorher geschrieben, befinde ich mich gewissermaßen in einem Prozess (ein anderer User nannte es hier mal die unteren Sprossen einer Leiter), wo ich mir die Fingerfertigkeiten und Umsetzungsmöglichkeiten erarbeite, die ich später Optimieren möchte, um sie dann eines Tages in Perfektion auszuüben. Dazu gehört natürlich auch das gefährliche Halbwissen über die Schiffsmodelle aus jener Epoche zu verbessern :)

Von daher, was dein Angebot betrifft: Wenn es nicht mit der Bedingung verbunden ist, dass ich obiges Vorhaben ins Fegefeuer der ambitionierten, aber von vielen Seiten als gescheitert erklärten Modellbauvorhaben werfe, dann bin ich durchaus an den Plan interessiert. Auch wenn ich mittelfristig nicht daran arbeiten werde, um das Modell auf dem Plan nachzubauen (welches Schiff ist es denn?), so ist ein hoffentlich guter Bauplan, besonders aus dieser Epoche, von einem nicht-käuflich erhältlichen Schiff ein unheimlicher Reiz zum Studium und späteren Nachbau für die Nachwelt und die Geschichtswissenschaftler. Dinge, die einzigartig sind haben von jeher mein allergrößtes Interesse. :D Vor allem wenn der Tag kommt - und der wird bestimmt irgendwann kommen - wo ich mich einem historisch korrekten Schiffsnachbau widmen möchte, den nicht jeder hat :)

Schöne Grüße
Bradhower
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maxim

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Was für ein Plan? Alte Pläne von Fregatten sind natürlich immer interessant!

Die "Mutter aller Fregatten" ist gar keine so abwegige Definition für die Tygar, immerhin hat sie einige Merkmale der Fregatte bereits verkörpert, wie ein durchlaufendes Deck oder keine Vorder- oder Achteraufbauten. Wobei Letztere sich im Kampf damals als Nachteil erwiesen und somit die Fregatte ersteinmal bis zum 18. Jh. warten musste, bis dieser Begriff wieder verwendet wurde. Damals, wie Maxim schon richtig schrieb, in unterschiedlichen Definitionsweisen.

Woher hast du die Behauptung, dass die Tygar die Mutter der Fregatten sei? Und warum genau die Tygar und nicht eine der anderen, ähnlichen Galleassen Heinrich VIII.? Diese Schiffe nannte der Heinrich VIII. eben sehr wohl Galleassen und sie waren auch aufs Rudern ausgelegt, auch wenn sie mit den Galleassen des Mittelmeerraums herzlich wenig zu tun hatten.

Vielleicht ist dies ein Missverständnis, weil die ersten beiden echten englischen Fregatten, die Unicorn und Lyme (beide gebaut 1747-49) auf den Linien der erbeuteten französischen Kaperfregatte Le Tygre beruhten?

Eine echte Fregatte hat sehr wohl ein Vorder- und Achterdeck und ursprünglich eben gerade kein durchlaufendendes oberstes Deck!

Die echte Fregatte ist anhand der Aufteilung der Decks erkennbar. Im Endeffekt ist es ein Zweidecker, aber das unterste durchgehende Deck liegt bei der echten Fregatte - im Gegensatz zu Zweideckern und älteren "Fregatten" - nicht über der Wasserlinie und kann so mit Kanonen bestückt werden, sondern unterhalb der Wasserlinie und ist nicht bestückt. Das darüber liegende Deck - was das höchste, komplett durchlaufende Deck ist - liegt dadurch tiefer, so dass die dortige Geschützbatterie zwar noch genügend Freibord hat, der Rumpf aber weniger hoch ausfällt. Der niedrigere Rumpf hat den Vorteil, dass er dem Wind weniger Angriffspunkte gibt und so weniger leegierig ist. Dadurch ergaben sich bessere Segeleigenschaften und eine erhöhte Seetüchtigkeit des neuen Typs.

Die ersten echten Fregatten, so auch die ersten beiden britischen Unicorn und Lyme, hatten über dem Batteriedeck ein Vorder- und Achterdeck, was nicht verbunden war. Später wurden diese beiden Decks mit immer breiteren Verbindungsgängen verbunden, bis daraus dann ein durchgehendes Deck wurde - was aber überwiegend erst um 1815 oder noch später der Fall war.

In diesem Buch ist die Entwicklung, sowohl der Linienschiffe als auch der Fregatten, recht schön erklärt:

The Line of Battle. The Sailing Warship 1650-1840

Fotos eines schönen Rumpfmodells einer britischen Fregatte gibt es hier:
http://www.modellmarine.de/index.php?option=com_imagebrowser&view=gallery&folder=deutsches_museum_segelkreuzerneu&Itemid=55
(hinter dem englischen Schiff 6. Ranges! Ich meine die HMS Diana).
« Letzte Änderung: 09. Januar 2010, 09:19:26 von maxim »
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Bradhower

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Guten Morgen Maxim,

die Tygar wird laut dieser schönen Internetseite hier, als erstes im Zusammenhang mit Fregatten erwähnt (http://www.hmav-unicorn.de/html/geschichtliches.html). Ich zitiere daraus:

Die Bezeichnung “Fregatte für relativ kleine, schnelle Kriegsschiffe erscheint etwa seit Ende des 16. Jahrhunderts im nördlichen Europa. Das Kennzeichen dieser Schiffe war zunächst das Fehlen der hohen Aufbauten an Bug und Heck, die die See-Eigenschaften bei anderen Schiffstypen beeinträchtigten. Ansonsten bildeten sie noch keinen einheitlichen Schiffstypus. Ein frühes Beispiel ist die unter Heinrich VIII. in England für die Royal Navy gebaute Tygar, von der eine Zeichnung in der Anthony Roll überliefert ist; das Schiff trug seine Geschütze auf einem, durchlaufenden Deck und wies weder Vorder- noch Achterkastelle auf. Der Entwurf eines ähnlichen Schiffs ist in den "Fragments of Ancient English Shipwrightry" des englischen Schiffsbauers Mathew Baker enthalten. Da jedoch im Nahkampf niedrige Schiffe leichter zu entern waren, kehrte man zu Ungunsten der Segeleigenschaften in gewissem Rahmen zu Vorder- und Achterkastellen zurück.

Die Bezeichnung "Mutter aller Fregatten" ist natürlich etwas großzügig von mir gewählt worden. Aber egal wo man im Netz nach dem Namen "Tygar" sucht, er fällt immer im Zusammenhang mit der Entstehungsgeschichte der Fregatte.

Das Modell ist natürlich sehr beeindruckend, dass wird bei mir noch ein paar Tage dauern, bis ich das so hinbekomme. Aber die vielen Spanten am Rumpf sind eine interessante Sache, ich glaube in dieser Hinsicht werde ich den Rumpf meines Schiffes auch noch etwas mehr verstärken.  :)

Schönen Gruß Bradhower
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maxim

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Die Bezeichnung "Mutter aller Fregatten" ist natürlich etwas großzügig von mir gewählt worden. Aber egal wo man im Netz nach dem Namen "Tygar" sucht, er fällt immer im Zusammenhang mit der Entstehungsgeschichte der Fregatte.

Das suggeriert aber eine kontinuierliche Entwicklungsgeschichte, die es gar nicht gab. In dem Artikel wird übrigens von der "klassischen Fregatte" gesprochen - und die ersten davon waren die oben erwähnten Unicorn und Lyme, die sich komplett von ihren Vorläufern unterschieden (und ihren Ursprung mal wieder in französischen Kaperfahrern hatte, was auch für die ältere Entwicklungslinie in Richtung Constant Warwick gilt).

Die Tygar Heinrich VIII. war ein früherer Typ von Kreuzer - aber kein direkter Vorläufer der echten Fregatte.
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Bradhower

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hat der Bradhower mal wieder was dazugelernt. Danke für die Aufklärung   :P :D
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hwe

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Hallo Brad,

Du sollst natürlich deinen Spaß am Bau deines Modells haben. - Was mir neulich so "aufgestoßen" ist, ist deine vollkommene Verwurstung der Epochen. Ein Schiff von 16xx kann man beim besten Willen nicht als "Napoleonisch" bezeichnen. - Und nur mit vielen zugedrückten Augen auch als "vornapoleonisch". - Aber deine Argumentation trifft etwa genauso für die Arche Noah und auch den ersten Einbaum zu. - Die sind dann genauso "napoleonisch"...

Nicht umsonst gibt es den Beruf des Historikers. - Die bemühen sich nämlich, unsere Geschichte in "brauchbare" und "verständliche" und "einigermaßen zusammengehörige" zeitliche Abschnitte zu unterteilen und sie zu benamsen. - Damit es da keinen "Kuddelmuddel" gibt. Und zwischen einer Galeone von 16xx und der "echten" napoleonischen Zeit ist einfach so viel Zeit vergangen, daß es einfach nicht tragbar ist, beides als "identisch" zu bezeichnen. - Es ist nicht einmal nahe bei einander (Es sei denn, du wählst kosmische Pespektiven ;) ).

Ich habe aber zum Beispiel absolut überhaupt kein Bauchweh damit, wenn Du sagen/schreiben würdest, daß Du eine Galeone auf der Basis der Pläne der Wodnik bauen/rekonstruieren möchtest. - Das wäre aus meiner Sicht vollkommen in Ordnung. - Die meisten Schiffe dieser Zeit sind sowieso so gut wie nicht im Detail zu belegen. - Da kommt zwangsläufig viel Phantasie mit ins Spiel, wobei es nett wäre, wenn Du einfach mal irgendwen fragst, ob eine bestimmte Idee von Dir zu dem Schiff passt, oder nicht (zum Beispiel sind Carronaden keine gute Idee...). Was eine Galeone GANZ SICHER NICHT ist, ist "napoleonisch".

Gib' doch einfach zu, daß Geschichte nicht unbedingt deine Stärke ist und du dir einfach irgendeinen Plan organisiert hast, der in etwa dem entsprach, was dir vorschwebte. - Wahrscheinlich hast Du dazu in letzter Zeit Geschichten von Hornblower oder Captain Lucky Jack Aubrey gelesen und deswegen sollte das "napoleonisch" sein. - Richtig geraten?

Nun, in dem Fall solltest Du dich entscheiden, was du *wirklich* möchtest. - Entweder *irgendein* Schiff, daß dir gefällt. - Auch gut! - Bau' es, aber wenn es nicht "Napoleonisch" ist, dann nenne es bitte auch nicht so. Und wenn Du tatsächlich eine "napoleonische" Fregatte bauen möchtest, dann musst Du dir leider einen anderen Plan besorgen und nochmal von Vorn anfangen, denn das ist dann ein vollkommen anderes Schiff.

Das ist das, worüber ich mich letztes Mal so aufgeregt habe. Du hast Dich einfach hingestellt, irgendwas "behauptet" und hast hinterher mit aller Gewalt versucht, das wieder schön zu reden. - Gib' doch einfach mal einen Fehler zu! - In meinem Job ist es normal, daß man Fehler macht. - Sie zugibt und zusieht, daß man sie kein zweites Mal macht. - Kein Beinbruch. - Jeder macht mal Fehler und irren ist menschlich. Und noch einfacher ist es, von vornherein zu sagen: "Ich kenne mich nicht aus!" - Aber dann bleib' bitte auch dabei und stell' dich nicht hin und behaupte irgendwas, von dem Du zu wenig Ahnung hast... - Das geht nach hinten los!

Also, was darf's sein? - Galeone oder Napoleonische Fregatte?

Ciao,

HWE

Bradhower

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Re: Mein historisch unkorrektes, Fantasieschiff aus dem 16. bis 19. Jh. :D
« Antwort #44 am: 10. Januar 2010, 00:17:57 »
Hallo HWE,

ich dachte du wolltest diesem „konfusen Quatsch und Gemüseeintopf“ keine Beachtung mehr schenken…!? ;)

Zitat
Du eine Galeone auf der Basis der Pläne der Wodnik bauen/rekonstruieren möchtest. - Das wäre aus meiner Sicht vollkommen in Ordnung. - Die meisten Schiffe dieser Zeit sind sowieso so gut wie nicht im Detail zu belegen.

Mensch, dass Glück ist ja manchmal so Nahe oder ist es doch nur der Weg mit dem geringeren Widerstand, weil es der deinigen Sicht entsprechen mag – ist für mich leider kein Kriterium, um so ein Modell nachzubauen…  :D

Zitat
Da kommt zwangsläufig viel Phantasie mit ins Spiel, wobei es nett wäre, wenn Du einfach mal irgendwen fragst, ob eine bestimmte Idee von Dir zu dem Schiff passt, oder nicht (zum Beispiel sind Carronaden keine gute Idee...). Was eine Galeone GANZ SICHER NICHT ist, ist "napoleonisch".

Damit es wieder dem „historisch korrekt“ entspricht, habe schon verstanden ;) Welch Glück, dass mir noch nicht vorgeschrieben wird, wen ich dafür fragen muss. :D

Zitat
Gib' doch einfach zu, daß Geschichte nicht unbedingt deine Stärke ist und du dir einfach irgendeinen Plan organisiert hast, der in etwa dem entsprach, was dir vorschwebte. - Wahrscheinlich hast Du dazu in letzter Zeit Geschichten von Hornblower oder Captain Lucky Jack Aubrey gelesen und deswegen sollte das "napoleonisch" sein. - Richtig geraten?

Ich glaube Raten ist nicht deine Stärke ;) Ich nehme nur mein Bauvorhaben nicht ganz so toternst, wie du und wälze vorher Tonnen von Büchern und gebe viel oder wenig Geld für tolle Pläne, Material oder Bausätze aus. Ich gebe hiermit auch wiederholt zu, dass ich meine Eingangsäußerungen garniert mit einigen, aus der Sicht der Modellschiffexperten, frevelhaften Zwischenäußerungen sehr unglücklich gelaufen sind. Vor allem bei Menschen wie du, die anscheinend den historischen Schiffsmodellbau zu ihrem Lebensinhalt machen und über einen über die Jahre angesammelten Erfahrungsschatz verfügen. Meine Leidenschaft ist die Geschichte seit jeher. Aber wie das so ist, hat auch hier jeder sein unterschiedliches Wissensgebiet, so dass meine geschichtlichen Lücken, was bsw. die „napoleonische“ Epoche betrifft sicherlich hier und da noch aufgefüllt werden kann. Vornehmlich wenn es um die korrekte und detaillierte Bezeichnung von Schiffsmodellen und die Seefahrt im Allgemeinen zu jener Zeit geht. Ebenso bin ich noch nicht so firm in Sachen „Seemannssprache“, was auch fernab einer Küste nicht so einfach ist ;). Aber ich möchte mich auch in dieser Hinsicht gerne weiterbilden (hier noch mal für dich hervorgehoben: das Wort „Prozess“ habe ich hierzu ein paar Mal in vorangegangenen Kommentaren geäußert). Wenn es allerdings um die Geschehnisse zu Lande, der Politik und/oder auf irgendwelchen Schlachtfeldern zu jener Epoche geht, bin ich mal genauso wie du, und behaupte das du anschließend mit heruntergelassenen Hosen dar stehst. ;) Von Themen aus der jüngeren (deutschen) Geschichte mal ganz abgesehen :) Also Bitte nicht so etwas behaupten, immerhin kennen wir uns nicht persönlich.
 
Zitat
Nun, in dem Fall solltest Du dich entscheiden, was du *wirklich* möchtest. - Entweder *irgendein* Schiff, daß dir gefällt. - Auch gut! - Bau' es, aber wenn es nicht "Napoleonisch" ist, dann nenne es bitte auch nicht so. Und wenn Du tatsächlich eine "napoleonische" Fregatte bauen möchtest, dann musst Du dir leider einen anderen Plan besorgen und nochmal von Vorn anfangen, denn das ist dann ein vollkommen anderes Schiff.

Auch hier noch einmal für dich in Schriftform und ich hoffe nun auch zum letzten Mal:

Besagter Plan der Galleone ist für mich nur ein Orientierungspunkt, ein hell Erleuchteter, aber am Ende nur einer von vielen Informationen zum Schiffsrumpf den ich baue. Dabei geht es mir um die mögliche Form und technische Lösungs- und optischen Umsetzungsmöglichkeiten. Maxim hat mir da zum Beispiel einen wunderschönen Link zur HMS Diana geschickt, der aktuell ganz groß über meiner Dekupiersäge hängt und ich mich voller Freude (ja die habe ich noch, obwohl sie einem hier im Forum langsam vergehen kann) darauf stürze, den Rumpf der HMS Diana für mein Modell zu übernehmen. Pardon! Nicht zu „übernehmen“, sondern mich daran zu orientieren. Vor allem den Bug des Schiffes finde ich sehr faszinierend gebaut. Ich würde behaupten dieses Modell ist ein weiterer wichtiger Orientierungspunkt am Firmament. Zudem habe ich inzwischen zahlreiche hilfreiche Links bekommen und heute auch noch mal die Spanten ein wenig überbearbeitet bzw. drei sogar komplett ausgetauscht, damit die Form des Schiffes etwas eleganter daherkommt. So ist meine persönliche Meinung, dass die jetztige Form meiner „Fregatte“, selbiger schon etwas näher kommt. Könnte aber auch mehr in Richtung „Linienschiff“ gehen… In deinen Augen wird sie einer Überprüfung so oder so nicht standhalten können – aber damit kann ich leben… ;) Wenn ich eines Tages die Rettungsboote zu meinem Schiff baue, werde ich allerdings versuchen sie aus den Originalvorlagen möglichst exakt zu kopieren. Vielleicht werden sie dann eines Tages dem Verbrennungsprozess überleben :)

Zitat
Das ist das, worüber ich mich letztes Mal so aufgeregt habe. Du hast Dich einfach hingestellt, irgendwas "behauptet" und hast hinterher mit aller Gewalt versucht, das wieder schön zu reden. - Gib' doch einfach mal einen Fehler zu! - In meinem Job ist es normal, daß man Fehler macht. - Sie zugibt und zusieht, daß man sie kein zweites Mal macht. - Kein Beinbruch. - Jeder macht mal Fehler und irren ist menschlich. Und noch einfacher ist es, von vornherein zu sagen: "Ich kenne mich nicht aus!" - Aber dann bleib' bitte auch dabei und stell' dich nicht hin und behaupte irgendwas, von dem Du zu wenig Ahnung hast... - Das geht nach hinten los!

Soll ich jetzt auf die Knie fallen und um Vergebung bitten oder wie stellst du dir das vor?! Ich glaube für meine vorschnellen Äußerungen hier, habe ich mich inzwischen schon oft genug entschuldigt und sie relativiert. Auch die Sache mit der Leiter und ihren Sprossen habe ich inzwischen verstanden. Von daher, dass Einzige was ich inzwischen als „Fehler“ hier sehe, ist dass ich hier einen Baubericht angefangen habe zu schreiben und freimütig (und unüberlegt) ein paar Pläne und Ideen geäußert habe. Wo vornehmlich von dir mit einer gewissen Penetranz drauf herumgeritten wird. Anstatt etwas nachgiebiger zu Werke zu gehen, äußerst du von vornherein Desinteresse oder regst dich auf, weil ich kein Interesse habe mich auf irgendeinen „Kuhhandel“ hier einzulassen, damit dein Historiker-Herz wieder im Gleichschritt schlägt.

Zitat
Also, was darf's sein? - Galeone oder Napoleonische Fregatte?

wie wäre es mit einem Fischkutter!? :)

Gruß
Bradhower
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