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Autor Thema:  Ladegut für Laster  (Gelesen 2107 mal)

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KAWIT

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Ladegut für Laster
« am: 16. Juni 2021, 02:30:51 »

Hallo Leute,

für die Truck-Fans unter Euch habe hier mal zwei Ideen zum Thema Ladegut.
Hierbei stellte ich mir die Frage, was einfach und preiswert - quasi als Recycling - herzustellen ist.
Da ich einige Sachen in Arbeit habe, wird das ein lockerer Fortsetzungsroman. Mich würde aber auch interessieren, was Ihr so zu diesem Thema in Eurem stillen Kämmerchen so treibt.


Gruß
Karsten


Fange ich mal mit einem Bretterstapel ab Sägewerk an (kann auch ein Leistenstapel sein). Die einzelnen Bretter werden über Distanzleisten aufgestapelt.
 


Das Rohmaterial dafür kommt aus Holzkisten für Orangen und Mandarinen für die Bretter und Verpackungen von französischem Weichkäse für die Distanzleisten.
Als Werkzeuge benötigt man eine kleine Kreissäge für die Bretter und ein scharfes Messer mit Lineal oder einen Cutter zum Ablängen der Holzstreifen.

 

Das Brettermaterial (rechts oben schon zurechtgesägt)
 

 


Das Leistenmaterial



Das dünne Holz ist ja rund gebogen. Also drehen wir den Trick der Schiffsmodellbauer um: Krummes Holz befeuchten und Strecken und dabei beschweren. Wird im Allgemeinen recht gerade und eben.

 

Leisten auf Länge zugeschnitten

 


Leisten auf Länge und Breite zugeschnitten


Und nun geht’s ans Kleben. Dafür verwende ich normalen Holzleim. Drei Streifen Leim für die Leisten aufs erste Brett, dann nochmals Leim auf die Leisten und Brett darauf. Nun heißt es fröhlich Schichten...
Nach zwei Lagen fixiere ich alles für ein paar Minuten mit Zwingen.

 


 


 



Nun zum zweiten Streich:
Gestapelte Holzbalken (auch direkt ab Sägewerk)
Das Rohmaterial dafür liefern mir unsere Haustiere. Das sind Knabberstäbe für Vögel und Kaninchen.
Nach dem Abknabbern durch die Tiere wird der Aufhängeclip aus Kunststoff abgezogen und die Reste der Körner mit einer Messerklinge abgeschabt. Danach wird der noch verbleibende Rest mit Schleifpapier entfernt. Im Bild sind die unterschiedlichen Verarbeitungsstufen erkennbar.

 


 



Nun geht’s ähnlich weiter, wie beim Bretterstapel, nur das zuerst drei Balken aneinander geklebt werden. Danach kommen wieder die Distanzleisten zum Einsatz.

 



Einziger Haken bei der ganze Story: Die Bohrungen für die Aufnahmeclips. Dafür sehe ich in Abhängigkeit vom Verwendungszweck drei Lösungsmöglichen:
- Bohrung offen lassen (geschickt zwei Stapel gegeneinander legen)
- die Balken kürzer absägen
- Die Bohrungen mit Rundstabmaterial verschließen

Man kann bei der Wahl des Rohmaterials natürlich auch in den nächsten Baumarkt gehen und gleich Vierkantstäbe kaufen. Dann ist man das beschriebene Problem auch gar keines. Ich wollte Euch hier nur eben mal Recyclingmöglichkeiten aufzeigen.

Zu guter Schluss braucht man noch Signodenband, das die Stapel zusammen hält. Ich nehme dafür Isolierband, das ich auf einer Glasscheibe mit einer frischen Klinge geschnitten habe.

 



Nun noch Distanzhölzer aus Vierkantholz (Stäbe von Feuerwerksraketen –wieder Recycling) zugesägt und der Stapler kann ans Werk gehen...

 

 

KlausH

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Re: Ladegut für Laster
« Antwort #1 am: 16. Juni 2021, 06:45:21 »
Sehr schöne Anleitung, insbesondere der Gedanke, das zu nehmen, was da ist, gefällt mir. Klasse!  :P

 :winken:
Klaus

Sparky

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Re: Ladegut für Laster
« Antwort #2 am: 16. Juni 2021, 07:00:58 »
Die Idee gefällt. Gerade aus dem „Käseholz“  habe ich schon KFK-Teile beplankt.
Auch die Kaffeeumrührer sus dem Gasthaus „Zu den zewi goldenen Torbögen“ lassen sich gut verweden. Ich habe mir von den Dingern allerdings gleich ein 1.000er-Paket gekauft - man rührt ja schließlich manchmal Farbe an und um…

 :winken:
Sparky


"People sleep peaceably in their beds at night only because rough men stand ready to do violence on their behalf." -- George Orwell

Army66

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Re: Ladegut für Laster
« Antwort #3 am: 16. Juni 2021, 09:19:52 »
Modellbau Gedanke in Perfektion. Recycling ist immer gut. :winken:

   Roger

KAWIT

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Re: Ladegut für Laster
« Antwort #4 am: 17. Juni 2021, 01:12:58 »
Hallo Ihr Drei!

Danke für die Rückmeldungen.
@ Sparky: der Gedanke mit den Rührstäbchen gefällt mir auch sehr gut. Hatte ich noch nicht dran gedacht, weil ich in dem Gourmettempel zum goldenen M normalerweise nicht verkehre. Muss ich entweder ändern, oder wie Du die Dinger dann doch kaufen. Aber das sind dann tolle Lattenstapel. Macht sich dann in der Mischung auf der Ladefläche eines Baumarktlasters umso besser.

Thanks Buddy!

Gruß
Karsten

Sparky

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Re: Ladegut für Laster
« Antwort #5 am: 17. Juni 2021, 11:48:39 »
3.000 Stäbchen für 12€ ergibt rine Menge Ladegut, Da bleibt auch zum Farbeumrühren noch was…
Kaminhölzer ergeben schöne Kanthôlzer, Streichhölzer lassen einen auf einer Stelling oder dergl. aus den Kaffeerührern nicht wegrutschen.

]https://www.amazon.de/3-000-Rührstäbchen-Holz-pure-14/dp/B006FGKNJ6/ref=sr_1_5?__mk_de_DE=ÅMÅŽÕÑ&crid=1R7KQ2HLQMLJS&dchild=1&keywords=rührstäbchen+holz&qid=1623922753&sprefix=Rührstäbchen%2Caps%2C180&sr=8-5]

 :winken:
Sparky


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Gilmore

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Re: Ladegut für Laster
« Antwort #6 am: 17. Juni 2021, 11:58:14 »
Die Leisten von Silvesterraketen sammle ich regelmäßig am 1. Januar ein, habe ganze Bündel davon, kann man immer gebrauchen. Und die Kaffeeumrührer gibt es auch bei den meisten Bäckern mit Kaffee-Ausschank. Man muss also nicht ins Wirtshaus zum Goldenen M, wenn man dort nicht zu dinieren pflegt.
Und auch nicht alternativ zum Würger-König. Und Rundhölzer aller Durchmesser und Längen, sogar noch mit Rinde, liegen massenweise in Wäldern herum. 
Ich bin multitasking-fähig. Ich kann alle anfallenden Arbeiten gleichzeitig liegenlassen.

KAWIT

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Re: Ladegut für Laster
« Antwort #7 am: 14. November 2021, 08:18:12 »
Hallo Leute,

Heute zeige ich eine andere Variante des Recyclings von Holz. Ich habe mir hier die Holzverpackung von französischen Brie und Camenbert, wie ich sie neulich schon mal bei Bauzels gedruckter KÖF gezeigt hatte (bzw, hier weiter oben), vorgenommen. Es gibt hierbei grundsätzliche Punkte zu beachten:

- nach Lösen der Klammern und Auftrennen der Verklebung muß man das Holz wieder gerade biegen. Dazu macht man es naß und läßt es beschwert wieder trocknen
- nicht alle Teile des Holzes können wegen der Bedruckung (direkt) verwendet werden
- ähnlich verhält es sich mit den Innenseiten, die häufig die Abdrücke der Greifwerkzeuge von Biegen tragen

Nun zur konkreten Anwendung, die hier in ihrer Herleitung nur exzemplarisch zu verstehen ist.
Es dreht sich bei meinem Recyclingprojekt nämlich um Munitionskisten, im Speziellen für die Granaten des Kaliber 7,5cm der PAK40 in 1:24..
Bei der Konstruktion standen mir 1:25er Messinggranaten von Halinski zur Verfügung. Um diese auf 1:24 zu bekommen, habe ich sie geringfügig verlängert und im Durchmesser durch Aufkleben von BMF vergrößert. Die Abgüsse habe ich dann zusammen mit Fotos von Originalkisten und Modellen in 1:35 für die Konstruktion von Innen nach Aussen herangezogen. 

 

 

 

Wie Ihr ja sehen könnt, sind die Kisten wie im Original aus „Brettern“ zusammengesetzt. Diese habe ich z.T., da die Materialstärke zu gering war, durch Aufeinanderkleben von 2 Lagen Holz erhalten, Die anderen konnte ich direkt aus der Randverpackung mit dem Chopper schneiden. Ich habe mir eine Tabelle mit allen notwendigen Maßen und Stückzahlen erstellt und los ging das Ablängen.
Um gleiche Abstände und Winkel der einzelnen Bretter und Verstärkungen zu erhalten, habe ich mir Montageschablonen aus stabiler Pappe für Boden und Deckel erstellt. Nach mittlerweile über 20 Kisten zeigen sich Verschleißerscheinungen und unterlaufenden Klebstoff (Holzleim)

 

 

Die Verstrebungen von Boden und Deckel der Kisten habe ich nicht aus den Rändern erstellt , sondern mir erst 4mm-Streifen aus den Deckeln der Brie-/Camenbertverpackungen geschnitten. Diese Deckel gibt es nicht bei allen Sorten, da muss man manchmal schon etwas Glück bei der Auswahl des Käses haben. In Frankreich sind sie jedoch häufiger als bei uns anzutreffen…

 

Auf den nächsten beiden Bildern könnt Ihr die Serienproduktion der Holzstreifen erkennen.

 

 
Einige Kisten habe ich offen dargestellt, während die Menge geschlossen daher kommt. Für die offene Variante sind noch 3 Einlagen zur Aufnahme der Granaten notwendig, die ich wieder aus geschichtetem Material gefeilt habe.

 

Hier mal in der Umgebung, wo die Kisten hingehören…
Bei mir werden sie jedoch Ladegut für meinen Güterwagen und einen LKW.

 

Nun mal ein Zwischenstand der Serienproduktion, wie ich sie wieder auf einer Dienstreise im Hotel mit diesmal wenig Werkzeug durchführen konnte. Es fehlen noch die Griffe und natürlich Scharniere und Verschlüsse. Aber die sind ein ganz anderes Thema, denn das hat nichts mit Recyling zu tun.

 

Von einem anderen Projekt hatte ich noch jede Menge kaschierte Schaumplatten übrig, die ich dann mit den Holzstreifen zu einer anderen Kistentype verarbeitet habe. Also zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen! Obendrein ist hier die Konstruktion weitaus einfacher, weil ich nicht auf rechtwinklige Ausrichtung der einzelnen „Bretter“ achten musste, sondern die Schaumblöcke einfach mit Holz beschichtet habe.
Das nächste Bild zeigt die Entstehung des Prototypen, den ich für die Serienfertigung nach Muster der Granatenkiste im Bereich der Griffe angepasst habe.

 

Nun die einzelnen Schritte:
Stirnseiten bekleben, Schmallangseiten bekleben, Deckplatten drauf, Griffplatten an Stirnseiten anbringen und abschließend Griffe ankleben.
Dafür sind zum Trocken Klammern/Zwingen notwendig, was ich hier nicht zeige.

 

Die beiden Kisten im direkten Vergleich:
 

Abschließend noch der Stand der Rohbauten des zweiten Kistentyps:

 


So, das war’s mal wieder von der Recyclingfront.
Vielleicht für den Einen oder Anderen von Euch ein Anstoß…

Viele hölzerne Grüße,
Karsten