Border Model BT-024 Panzerjäger Nashorn 1/35

Begonnen von marco_1973, 27. Dezember 2025, 17:30:06

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marco_1973

Hallo Modellbaufreunde!

Ich möchte euch heute den Bausatz BT-024 von Border Model vorstellen. Es handelt sich um den Panzerjäger ,,Nashorn" (Sd. Kfz 164) in 1:35.

Zunächst einiges Interessantes zum Original

Um kostengünstig und effektiv dem seit 1942 verstärkten Auftreten der russischen Panzer KW und T34 zu begegnen, wurde eine Selbstfahrlafette mit der äußerst effektiven 8,8 cm-Pak 43 L/71 entwickelt, die ab Februar 1943 in Serie ging. Das Fahrzeug erhielt zunächst den Suggestiv-Namen ,,Hornisse", der jedoch ab Ende Januar 1944 in ,,Nashorn" geändert wurde. Angeblich hat das Hitler selbst entschieden, da er ,,Hornisse" für einen Panzerjäger als unpassend befand. Eine andere Erklärung ist, dass man zu dieser Zeit Ordnung in das Bezeichnungschaos der deutschen Kriegstechnik bringen wollte. Insektennamen wurden an Artilleriehaubitzen vergeben (,,Hummel", ,,Wespe"), ferner war der Name ,,Hornisse" bereits für das schwere Jagdflugzeug Me 410 verwendet worden.

Das Fahrgestell war eine Mischung aus Panzer III und IV. Bei den Antriebsrädern gab es dabei zwei Varianten: vom Panzer III Ausführung E und später Ausführung J. Der Maybach-Motor HL120 (300 PS) wurde in die Fahrzeugmitte verlegt, im vorderen Teil der Wanne befanden sich separat Fahrer und Funker, wobei letzterer mangels optischer Geräte im Gefechtseinsatz praktisch ,,blind" war. Dafür waren die vorderen Besatzungsmitglieder besser geschützt (30 mm Frontpanzerung) als Geschützführer, Richt- und Ladeschütze im hinteren Teil, die nur von 10 mm Stahlwänden umgeben waren.
Trotz der hervorragenden Hauptwaffe (die Panzergranate durchschlug mindestens 120 mm Panzerstahl auf 2,5 km) war es ein defensives Fahrzeug und durfte sich aufgrund der geringen Panzerung nicht zu nah an den Feind heranwagen. Weiterhin durften die Fahrzeuge zwecks Versorgung und Reparatur nicht allzu weit verstreut eingesetzt werden. Ihr großer Vorteil war die Treffsicherheit aus weiter Entfernung, wobei fast jeder Treffer zu einem Totalverlust des Gegners führte. Trotz der leichten und ungeschützten Bauweise gingen anfangs nur relativ wenige Fahrzeuge durch Feindbeschuss verloren. Zur Nahverteidigung gegen Infanterie standen ein mobiles MG34 sowie einige MP40-Maschinenpistolen zur Verfügung.

Die ,,Hornissen"/"Nashörner" machten einige Veränderungen durch. So erhielten die ersten 50 Fahrzeuge das Zielgerät ZF3x8/ZE34, was sich als sehr nachteilig herausstellte, da es nach jedem Schuss neu justiert werden musste. Ab dem 51. Fahrzeug wurde dann das ZF1a SFL verbaut.
Weitere Änderungen: Auspufftopf zunächst hinten querliegend, später ohne Topf links und rechts hinter den Leiträdern zwei Rohre herausragend. Zwei, später nur noch ein Bosch-Scheinwerfer auf der linken Seite. Zwei Ersatzlaufrollen an der Frontpanzerung, später am Heck. Die Rohrabstützung war anfangs zweiteilig von der ,,Hummel" übernommen, erwies sich als nachteilig, da sie nur von außen betätigt werden konnte. Später wurde eine einteilige Version entwickelt, die mittels Bowdenzugs aus dem Fahrzeuginneren betätigt werden konnte.
Ein weiteres Erkennungsmerkmal früher Versionen ist das Vorhandensein von Schmutzfängern an den hinteren Kettenabdeckungen, die später entfielen. An einigen Nashörnern sind Zusatzpanzerungen am Schutzschild zu sehen.

Wenn man Originalfotos betrachtet, sieht man verschiedenste der genannten Merkmale, so dass man keinen klaren Schnitt zwischen ,,früher" und einer etwaigen ,,Standardversion" ziehen kann. So gibt es beispielsweise die älteren Antriebsräder mit der neuen Auspuffversion zu sehen u.ä.

Die Fahrzeuge wurden in speziellen Panzerjäger-Abteilungen zu je 45 Stück zusammengefasst und bedarfsweise anderen Armee-Einheiten zugeteilt. Nur 494 Nashörner wurden gebaut, von der ,,Hummel"-Panzerhaubitze auf dem gleichen Fahrgestell vergleichsweise mehr als doppelt so viele. Der erste Einsatz war im Sommer 1943 an der Ostfront, die letzten Nashörner wurden im März 1945 ausgeliefert.

Nun zum Bausatz von Border Model (Chinesischer Hersteller)


Er hat ca. 50 Euro gekostet und wurde beim MB-König gekauft. Man bekommt einen üblichen, stabilen Karton, in dem sich folgendes befindet:
- 14 Spritzguss-Äste
- 1 Fahrzeug-Rumpf
- 1 Spritzguss-Ast mit Figurenteilen
- 1 Alu-Kanonenrohr inkl. Mündungsbremse
- Bauanleitung Englisch/Chinesisch
- Decals
- 1 paar Fotoätzteile
- 5 Messing-Granatpatronen

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Die Anleitung ist übersichtlich bebildert und auf den ersten Blick leicht verständlich und enthält 26 Arbeitsschritte. Decals sind für 3 Versionen vorgesehen:
- 3. Kompanie sPzJ Abt. 88, Sommer 1944
- ,,Pommern" sPzJ Abt. 519, Winter 1943/44
- 2. Kompanie sPzJ Abt. 560, Sommer 1943

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Die Spritzteile sind sehr filigran und detailliert. Man bekommt erstmal viel für sein Geld und somit ist das Preis-Leistungs-Verhältnis top! Die Gleisketten sind segmentweise ausgeführt, dabei ist ein realistischer Durchhang an den Stützrollen bereits berücksichtigt.

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Nun zu den negativen Punkten

Auf dem Deckel steht, man könne zwei Versionen bauen. In der Tat gibt es in der Anleitung einige Optionen (,,onal P"), die erläutert sind (z.B. die beiden Antriebsräder E und J), aber die wichtigsten leider nicht. Ich muss noch vorwegnehmen, dass an den Gussästen Teile enthalten sind, die in der Anleitung gar nicht auftauchen.

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Auspuffversionen: Laut Anleitung gibt es den ,,frühen" querliegenden Auspufftopf in zwei Varianten, aber die geläufigste (ohne Topf) ist nicht beschrieben, obgleich die richtigen Bauteile enthalten sind (A6, A7 und die Rückwand A19). Das verwundert sehr, da alle drei Decal-Varianten diese Auspuff-Form besitzen. Obligatorisch sind dann auch hier die hinten liegenden Ersatzlaufrollen.
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Zielgerät: Verbaut werden kann hier nur die häufigste Version ZF1a, was an sich schon okay ist, jedoch ist dann die separate Abdeckung am Schutzschild (Teil E70, siehe Foto) überflüssig, denn die gab es nur für die erste ZF-Version. Dafür gibt es auch zwei Zusatzpanzerplatten für diesen Bereich, die aber für keine der 3 Decal-Versionen nötig ist.
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Funkausrüstung: Standardmäßig hatten alle normalen Fahrzeuge ein Funkgerät Spr mit einer 2m-Stabantenne rechts neben dem Funkerraum. Führungsfahrzeuge bzw. Panzerjäger der Stabskompanie waren mit zusätzlichen Funkgeräten FuG 7 und FuG 8 ausgestattet, dazu gehörten eine weitere 1,4m-Stabantenne im Gefechtsraum vorn rechts und eine 1,8m-Sternantenne am Heck hinten rechts. Die zusätzlichen Funkgeräte und Batterien befanden sich dort direkt darunter.

Nun muss man wissen, dass die Decal-Version ,,Pommern" der 519. so ein Stabsfahrzeug war. Ich mache es kurz: alle benötigten Teile des zusätzlichen Funkequipments sind im Bausatz enthalten, jedoch nicht ansatzweise in der Anleitung erläutert. Hierzu kann man sich am besten an der Anleitung des Bausatzes Dragon 6646 orientieren. Diese kann man im Netz downloaden.
Hier die Übersetzungsliste (Dragon=Border):
RB1/8=E56
RB2=E55
RB3=E46
RB6=E39
RB7=E10
RF1/10/16=E3
RF2=E24
RF3=E31
RF4=E32
RF5=E25
RF6=E26
RF7=E27
RF8=E33
RF9=E34
RF11=E21
RF12=E22
RF13=E47
RF14=E48
RF15=E56
RF17=E42
RF18=E45
RF19=E40
RF20=E44
MA15=Ätzteil vorhanden (ohne Nummer)
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Die Antenne hinten rechts wird meist als Stabantenne missgedeutet und ist auch im vorliegenden Bausatz falsch dargestellt (als Plastikteil E42). Ich empfehle die Anschaffung des Sets Aber R-30 für eine authentische Darstellung.

Weiteres

Das Emblem der PzJ Abt. 519 ist falsch, es war nicht weiß, sondern gelb.
Die Stabsfahrzeuge der 519. (ggfs. auch jene anderer Abteilungen) hatten auf der vorderen rechten Kettenabdeckung eine große Kiste, die anscheinend aus Holz war (siehe Fotos). Diese ist weder bei Border Model noch bei anderen Bausatz-Herstellern berücksichtigt worden und muss für eine authentische Darstellung improvisiert werden. Ebenso steht es mit der weiteren zusätzlichen Ersatzlaufrolle links neben dem Fahrer-Erker.

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Fazit

Der Bausatz ist zwar sehr umfangreich und fein detailliert, aber die Anleitung weist erhebliche Lücken auf. Streng nach Anleitung wird es nicht einmal gelingen, eine der drei Decal-Versionen des Bausatzes vorbildgetreu zu fertigen.
Dadurch ist der Schwierigkeitsgrad erhöht, da der Zusammenbau nur mit Hilfe anderer/fremder Bauanleitungen (Dragon, Tamiya) Erfolg verspricht.
Noch schwieriger ist der authentische Nachbau des Stabsfahrzeugs ,,Pommern". Hier muss teilweise improvisiert werden und das Funkequipment ist wiederum nur mit Hilfe von Fremdanleitungen nachvollziehbar.
Positiv ist jedoch das beiliegende Aluminium-Geschützrohr sowie die 4 Figuren.

Wünschenswert wären noch die typischen Granatbehälter, die im Kampfraum verteilt waren (nur 16 von 40 Granatpatronen waren in Schränken untergebracht). Dafür empfehle ich das Set AFV Club 35072. 

Liebe Grüße und guten Rutsch!

Euer Marco!
:winken:  :winken:  :winken:

Modellbau ist brotlose Kunst auf höchstem Niveau
Fertiggestellt: Tiger-Bahntransport 1:35
Über mich

SewuSan

#1
Du hast dir sehr viele Mühe gegeben mit deinem "Ausgepackt"!

Ich habe den Bausatz selber und "ja" die Teile sehen wirklich nicht schlecht aus, Spritzguss kann Border definitv.
Trotzdem rate ich beim Nashorn vom Kauf eher ab.
Warum? Weil Border im 1:35 Bereich gerne ein CopyCat ist.

Da wird manchmal geklont ohne Hirn und Verstand.
Deshalb ist die Anleitung hier für einen modernen Kit auch unter aller Kanone, weil man den 4 in 1 Bausatz von Dragon kopiert hat.
Da fehlen ganze Bau-Optionen, einige Teile sind sogar schlechter dargestellt als bei Dragon oder wurden gleich ganz vergessen.

Ihr möchtet ein 1:35 Nashorn in eurer Sammlung?

Wer einen einfachen Bau und Spaß haben will kauft den Bausatz von Tamiya.
Wer das anspruchvollste aber historisch noch korrekteste Modell in 1:35 haben möchte (ohne Ahnung vom Original-Fahrzeug zu haben) nimmt AFV-Club.
Wer vom Vorbild Ahnung hat, viele Optionen haben möchte und den ein oder anderen Bauanleitungsfehler umschiffen kann wählt Dragon.

Es gibt keinen Grund die Grütze von Border zu unterstützen.
Bei ihrem Sd.Kfz. 251 gilt genau das gleiche.

Army66

Moin
Ja da iss er wieder,der Kenner. Finde die Vorstellung sehr Gut. Kenne mich mit Deutschem Gerät im Kleinen aber nicht aus. Sollte mann jedem Überlassen ,was er aus diesem Bausatz mit der Vorstellung, machen kann und will. Out off the Box, mit Verbesserungen oder Detailliert nach Vorbild. Da ist wohl alles möglich. Das sollen Vorstellungen auch bewirken. Eine einordnung für jeden selbst. Mir Persönlich ergeht es mit den Sherman so.
Wünsche ein Fröhliches Unbeschwehrtes Neues Jahr.

  Roger

Steffen

Danke vielmals für die Vorstellung.  :klatsch:

Dein Fazit deckt sich mit meinem Urteil in meinen eigenen BORDER Panzer IV Bausatz-Vorstellungen. Spitzguß top, gute Detaillierung und angenehm zu bauen. Aber die Baupläne sind eine Katastrophe. Zudem sind die Decal-Optionen bescheiden recherchiert und oft mit dem Bausatz aus dem Karton gebaut nicht realisierbar.
Im Grunde ist BORDER nur etwas für Kenner des jeweiligen Originales, welche wissen, wo sie für ein stimmiges Modell etwas modifizieren/korrigieren müssen. Oder für Modellbauer, welchen die Originalgetreue egal ist.

Hätte Gott gewollt dass ich Grünzeug fresse, wär' ich ein Kaninchen !

freddy55

Hallo Marco, :winken:
vielen Dank für diese sehr Detaillierte und
fundierte Bausatzvorstellung.
Ob man diesen oder einen der Bausätze anderer Hersteller
baut und inwieweit man das Modell modifiziert/nachdetailiert
bleibt jedem selbst überlassen.
Auf jedem Fall eine super Entscheidungshilfe :P  :P  :P

fred
am Borsigplatz geboren